0
Nach Tod von Johannes Mohr
Neu im Stadtrat: Ulrich Buchholz als Nachrücker vereidigt
Ulrich Buchholz wird als Nachrücker für den verstorbenen Johannes Mohr in den Stadtrat Forchheim einziehen.
Ulrich Buchholz wird als Nachrücker für den verstorbenen Johannes Mohr in den Stadtrat Forchheim einziehen. // Stephan Großmann/Archiv
Forchheim – Nach dem überraschenden Tod von Stadtrat Johannes Mohr ist wohl eine Nachfolgelösung gefunden worden. Mit Ulrich Buchholz wird die Forchheimer Grüne Liste (FGL) künftig kein Unbekannter verstärken.

Update vom 23. Juli, 16:30 Uhr:

Emotionaler Moment: Ulrich Buchholz als neuer Stadtrat vereidigt

Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod von FGL-Stadtrat Johannes Mohr hat die Forchheimer Grüne Liste einen Nachfolger für ihre Stadtrats-Fraktion gefunden. Auf der Liste steht Ulrich Buchholz als erste Nachrücker festgeschrieben. Schriftlich hatte er seine Zustimmung bereits gegeben. Am späten Dienstagnachmittag haben ihn die Stadträtinnen und Stadträte einstimmig in ihre Mitte berufen. Anschließend ist der 62-Jährige vereidigt worden.

Fortan wird Buchholz für die FGL im Planungs- und Umweltausschuss mitwirken (wie es Johannes Mohr zuvor auch war), zudem ist er als Vertreter in anderen Ausschüssen vertreten. 

Nun ist es amtlich: Ulrich Buchholz ist nun offizieller Nachfolger für den verstorbenen FGL-Stadtrat Johannes Mohr.
Nun ist es amtlich: Ulrich Buchholz ist nun offizieller Nachfolger für den verstorbenen FGL-Stadtrat Johannes Mohr. // Stephan Großmann

Ursprünglicher Artikel vom 27. Juni:

Ulrich Buchholz: Nachrücker für Johannes Mohr gefunden

Forchheim bekommt einen neuen Stadtrat. Nach dem überraschenden Tod von Johannes Mohr am 10. Juni hinterlässt er nicht nur seine trauernde Familie und Freunde, sondern auch sein Mandat für die Forchheimer Grüne Liste (FGL) im Stadtrat. Weil es wie im Leben auch im politischen Betrieb immer weitergehen muss, soll sein Sitz im Gremium nun zügig nachbesetzt werden.

Ulrich Buchholz rückt im Stadtrat Forchheim nach

„Eine große Lücke. Eine kaum auszufüllende Lücke sogar.“ So leitet Ulrich Buchholz das Gespräch über sein baldiges Nachrücken in den Forchheimer Stadtrat ein. Damit meint er die Arbeit von Johannes Mohr. Und doch wirkt der 62-jährige Buchholz motiviert, wenn er über erste Ideen für das neue Amt sinniert und grob skizziert, wie er sich seinen Einstand vorstellt. „Ich bin überzeugt, dass jene Anliegen und Projekte, die Johannes vorangetrieben oder gewollt hatte, nicht verloren sind“, sagt der 1,90 Meter überragende Hüne mit der bassig-ruhigen Stimme. Zwar sei seine eigene Agenda nicht völlig deckungsgleich mit der Mohrs, aber es gebe einige Überschneidungspunkte.

Auch Buchholz ist Biologe, studiert hat er in Freiburg. Seine Heimat im Schwarzwald ist dem 1962 geborenen Buchholz mindestens sprachlich anzumerken, das Oberfränkische hat er sich in seinen bisherigen 23 Forchheimer Jahren noch nicht antrainiert. Als eines seiner wichtigsten Vorhaben nennt er sogleich den Artenschutz, genau wie Johannes Mohr es seinerzeit getan hatte. Die beiden waren es auch, die den Artenkennerpass in Forchheim ins Leben gerufen und seither Hunderte von Schülerinnen und Schülern die Artenvielfalt vor deren Haustüren erklärt haben. Und und und.

Arten- und Naturschutz gehören zu den größten Anliegen des 62-Jährigen.
Arten- und Naturschutz gehören zu den größten Anliegen des 62-Jährigen. // Stephan Großmann

Noch keine kommunalpolitische Erfahrung, aber themensicher und vernetzt

Über kommunalpolitische Erfahrung im engeren Sinne verfügt Ulrich Buchholz abgesehen von seiner Tätigkeit im Pfarrgemeinderat Don Bosco Forchheim und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Forchheim (ACK) zwar nicht. Aber durch sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement ist er dennoch bestens vernetzt in der Region und inhaltlich gut aufgestellt. So steht er etwa seit zwölf Jahren dem Forchheimer Ortsverband des Bund Naturschutz (BN) vor, der BN-Kreisgruppe ebenfalls bereits seit neun Jahren. „Allein durch den BN bin ich in viele vor allem grüne Themen eingearbeitet“, sagt Buchholz.

Schon jetzt summiere sich das ehrenamtliche Engagement des Vaters von drei mittlerweile erwachsenen Kindern laut eigener Aussage auf zwei bis drei Stunden pro Tag. Daneben arbeitet er noch in Vollzeit als Mikrobiologe, ist oft im Außendienst unterwegs. Nun bald noch als Stadtrat Unterlagen wälzen und Debatten vorbereiten. Einer gewissen Skepsis seiner Familie zum Trotz („Willst du das wirklich machen?“) sagt Buchholz ja. „Es nicht zu tun, käme mir wie Kneifen vor“, sagt er.

 „Forchheim ist noch nicht besonders grün, kann es aber werden"

Und zu tun gibt es genug. „Forchheim ist noch nicht besonders grün, kann es aber werden. Ich sehe großes Potenzial, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt er. Immerhin gebe es bereits positive Signale, etwa was den Umbau des Stadtwaldes betrifft und wie sich das Gartenamt um die öffentlichen Blumenbeete kümmere. Aber insgesamt reagiere die Stadt bisher zu oft, man müsse selbst ins Handeln kommen. Und nicht erst Jahre später schauen, wie man die Schäden begrenzen könnte. Sein selbst gewähltes Motto: „vorausschauende Stadtentwicklung“.

Was er als Erstes anpacken wolle? „Ich bin nicht nur glühender Artenschützer und Insektenforscher, sondern auch Realist. Deswegen taste ich mich mit Vorhaben langsam voran.“ Aber mindestens drei Projekte möchte er bis zu den nächsten Kommunalwahlen in Bayern 2026 noch geschafft haben. An Schulen und Kitas sollen Projekte verwirklicht worden sein, um beispielsweise die dortigen Gärten mit Regenwasser gießen zu können. Darüber hinaus hat er sich ein nachhaltiges Konzept zur Planung und Ausweisung von Ausgleichsflächen auf die Fahnen geschrieben und möchte „unbedingt“ die Umweltbildung noch weiter voranbringen.

Parteiloser Buchholz als Mitglied der FGL im Stadtrat

Wenngleich Buchholz kein Parteimitglied ist, auch nicht von Bündnis90/Die Grünen, wird er als Mitglied der Forchheimer Grüne Liste in deren Fraktion fungieren. Geplant ist, dass Buchholz auch Mohrs vakanten Sitz im Planungs- und Umweltausschuss übernimmt. Bei der Wahl im Jahr 2020 hat es Buchholz mit 2827 Stimmen knapp nicht geschafft, einen der neun FGL-Sitze zu ergattern. Die FGL erreichte damals mit 21,87 Prozent der Stimmen das zweitbeste Stadtergebnis und stellt hinter der CSU (32,11 Prozent, 13 Sitze) die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat.

Formell hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag erst einmal „das Ausscheiden von Stadtrat Mohr“ anerkannt und Ulrich Buchholz als nächsten Listennachfolger vorgeschlagen. Nach dessen Ja dauert es trotzdem noch, bis es für ihn losgeht. Offiziell vereidigt wird er erst in der kommenden Sitzung am 23. Juli. Aus „Pietätsgründen der Familie Mohr gegenüber“ wolle man nichts überstürzen, heißt es von Seiten der FGL.

Buchholz versteht das, freut sich aber auch darauf, wenn es losgeht. „Ich bin bereit.“

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!