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Rote Innovation aus Franken
Forchheimer Firma entwickelt brandneues Feuerwehrauto
So sieht er aus: Der in Forchheim entwickelte GW-TS, der altmodische Anhänger überflüssig machen soll.
So sieht er aus: Der in Forchheim entwickelte GW-TS, der altmodische Anhänger überflüssig machen soll. // Martin Regner
Forchheim – Innovation aus Franken: Bei Compoint in Forchheim wurde über zwei Jahre am neuen „Gerätewagen Tragkraftspritze" getüftelt. Der ist jetzt fertig und könnte für kleine Feuerwehren unersetzlich werden.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein ganz neuer Typ von Feuerwehrauto das Licht der Welt erblickt. Die bis heute maßgeblichen Fahrzeugarten wie die Drehleiter (DL), das Tanklöschfahrzeug (TLF), den Mannschaftstransportwagen (MTW) oder den Rüstwagen (RW) gibt es schon seit Jahrzehnten und sie werden immer nur in Nuancen weiterentwickelt. Doch jetzt ist es mal wieder so weit: Eine ganz neue Art von Einsatzfahrzeug kommt auf den Markt.

Es handelt sich um den Gerätewagen Tragkraftspritze (GW-TS) und bei Compoint in Forchheim entstand eines der ersten Exemplare der neuen Bauart. Sein Konstrukteur Florian Burkhardt hat rund zweieinhalb Jahre Entwicklungsarbeit in das neue Fahrzeug gesteckt, wie er im Gespräch mit dem Fränkischen Tag erklärt. „Das macht einen dann doch ein bisschen stolz, wenn man das so da stehen sieht“, meint Burkhardt, der nach eigenen Angaben eine Menge Hirnschmalz investieren musste, bis das erste Auto tatsächlich fertiggestellt werden konnte.

Erstes Fahrzeug diese Woche in Forchheim komplettiert

Die größte Herausforderung dabei sei gewesen, die geforderte Normbeladung auf dem geringen Raum unterzubringen, den die Ladefläche des in der neuen bayerischen Norm für den GW-TS vorgesehenen Basisfahrzeugs bietet: „Die technischen Vorgaben des Freistaats Bayern sind so speziell, dass die Beladung gar nicht so einfach in das Fahrzeug gepasst hat. Wir haben fast ein halbes Jahr probiert, bis das, was ins Auto verladen werden sollte, auch tatsächlich hineingepasst hat.“

Es handelt sich bei dem GW-TS, der diese Woche in Forchheim komplettiert wurde, nach Einschätzung des Entwicklers um das erste auslieferbare Fahrzeug dieser Art überhaupt. Zwar würden auch konkurrierende Unternehmen an der Realisierung eines GW-TS arbeiten, so Burkhardt weiter, aber soweit es ihm bekannt sei, gebe es anderswo noch keine auslieferbaren Fahrzeuge. Die Basis bildet ein Pickup vom Typ Ford Ranger mit Allradantrieb, der bei Compoint mit einem maßgeschneiderten Aufbau auf der Ladefläche versehen wurde. 

Vom Gesamtgewicht her mit der Führerscheinklasse B fahrbar

Der Koffer auf der Ladefläche enthält im Wesentlichen die Beladung, wie man sie vom althergebrachten Tragkraftspritzenanhänger (TSA) kennt: Ein Feuerlöscher, verschiedene Schläuche, Strahlrohre und Zubehör, Material zum Absperren und Erkunden von Einsatzstellen sowie eine Schaufel und ein Besen. Das wichtigste Element aber ist die Tragkraftspritze, die auf einem Schlitten im Heck ausfahrbar gelagert ist. 

Florian Burkhardt von der Firma Compoint hat zweieinhalb Jahre lang am GW-TS getüftelt. Hier zeigt er den Schlitten, auf dem eine Tragkraftspritze verladen werden kann.
Florian Burkhardt von der Firma Compoint hat zweieinhalb Jahre lang am GW-TS getüftelt. Hier zeigt er den Schlitten, auf dem eine Tragkraftspritze verladen werden kann. // Martin Regner

Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 3,5 Tonnen, damit kann der GW-TS auch mit den neuen Pkw-Führerscheinen der Klasse B gefahren werden, die nur Nutzfahrzeuge bis einschließlich 3,5 Tonnen einschließt. Früher bei der alten Führerscheinklasse 3 waren Fahrzeuge bis 7,49 Tonnen Gesamtgewicht möglich, doch die Klasse 3 wird seit Ende der 1990er-Jahre nicht mehr vergeben. Somit kann der GW-TS auch von jungen Feuerwehrleuten ohne Lkw-Führerschein bewegt werden. 

In alten Gerätehäusern fehlt oft der Platz für größere Fahrzeuge

Sinn und Zweck der Neuentwicklung ist es, kleine Dorffeuerwehren zu motorisieren, die bislang nur über einen Anhänger verfügen. Bei diesen muss im Einsatzfall immer erst ein Traktor als Zugfahrzeug für den TSA herbeigeschafft werden, bevor die Feuerwehr ausrücken kann. Der GW-TS verfügt über einen eigenen Antrieb, sodass dieses Problem dann wegfällt. 

Wie Burkhardt erklärt, könnte der GW-TS aber auch größere Einsatzwagen wie etwa alte Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF) ersetzen. Denn da stelle sich besonders bei alten und kleinen Feuerwehrgerätehäusern auf dem Land oft das Problem, dass ein nach den neuesten Gesichtspunkten gebautes TSF im Gegensatz zu einem 30 oder 40 Jahre alten Exemplar nicht mehr in die Halle passt. Auch für solche Feuerwehren könne der kleinere GW-TS eine Alternative sein, wenn eine Ersatzbeschaffung ansteht. 

Kein Löschwassertank an Bord vorgesehen

In der Kabine ist Platz für vier Feuerwehrleute. Auch das ist ein Vorteil gegenüber dem altmodischen TSA, der keine Sitzplätze für die Mannschaft bietet. Mit dem neuen GW-TS sollen allerdings keine eigenständigen Einsätze gefahren werden, wie Florian Burkhardt erklärt. Vielmehr sollen die damit ausgestatteten Feuerwehren im Alarmfall schon einmal die Einsatzstelle vor Ort absperren, erkunden und gegebenenfalls den ersten Hydranten in Betrieb nehmen können, bis größere Fahrzeuge mit umfangreicherer Ausstattung und mehr Einsatzkräften an Bord aus den umgebenden Ortschaften angerückt sind. Diese könnten dann auf die mit dem GW-TS geleistete Vorarbeit aufbauen und zum Beispiel gleich nach ihrem Eintreffen schon mit dem Löschen eines Feuers beginnen. 

Der Aufbau ist absetzbar, dann kann das Basisfahrzeug auch mit offener Ladepritsche benutzt werden. Etwa zum Transport einer Palette mit Sandsäcken bei Hochwasser. Durch den Allradantrieb sind auch Einsatzstellen abseits befestigter Straßen erreichbar, etwa ein Weiher zur Löschwasserversorgung oder ein Waldbrand. Allerdings führt der GW-TS kein Löschwasser mit – für einen Wassertank ist bei der ohnehin schon engen Beladung kein Platz mehr. 

Hat wohl bald ausgedient: das Konzept des TSA.Forchheim & Fränkische Schweiz
Hat wohl bald ausgedient: das Konzept des TSA. // Foto: Martin Regner

Wie eine Anfrage beim Landratsamt ergab, gibt es im Landkreis Forchheim noch zwölf Feuerwehren, die nur über einen Anhänger zum Transport ihrer Ausrüstung verfügen. Im Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt, in dem auch Ralf Meisner als Gründer und Inhaber von Compoint wohnt, sind es nach Angaben des dortigen Landratsamts nur noch drei Feuerwehren ohne selbstfahrendes Fahrzeug. 

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