0
Anwohner warten schon ewig
Nach 17 Jahren: Kersbach bekommt endlich Hochwasserschutz
Mehr als 17 Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe bekommt der Forchheimer Stadtteil Kersbach sein Hochwasserschutzbecken.
Mehr als 17 Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe bekommt der Forchheimer Stadtteil Kersbach sein Hochwasserschutzbecken. // Stephan Großmann
Forchheim-Kersbach – Fast 20 Jahre Geduld zahlen sich endlich aus: Nach der Flutkatastrophe von 2007 bekommt Kersbach seinen lang ersehnten Hochwasserschutz, die Arbeiten für das Rückhaltebecken haben begonnen.

Im Moment regnet es nicht viel. Das lässt die Anwohner in der Pfarrgartenstraße im Forchheimer Stadtteil Kersbach aufatmen. Aktuell ist es dort auch so schon matschig genug, seit sich die schweren Maschinen durch die Straße graben und große Wasserleitungen verlegen. Dem Baulärm und dem Dreck zum Trotz ist es das, worauf Hunderte Anwohner seit beinahe 20 Jahren gewartet haben – sie bekommen endlich ihren Hochwasserschutz, der eine Katastrophe wie 2007 künftig verhindern soll.

In der Pfarrgartenstraße gibt es aktuell kein Durchkommen. Wenn alles klappt, sollen die Leitungen bis Ende des Jahres verlegt sein.
In der Pfarrgartenstraße gibt es aktuell kein Durchkommen. Wenn alles klappt, sollen die Leitungen bis Ende des Jahres verlegt sein. // Stephan Großmann

Ihre Sandsäcke bleiben griffbereit, auch die Wassersperren für die tiefergelegten Garagen sind stets einsatzbereit. Zu stark haben sich die Ereignisse des verhängnisvollen Hochwassers in die Köpfe der Anwohner und Helfer eingebrannt. Es war die Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2007, in der sintflutartige Regenfälle zahlreiche Keller in Franken haben volllaufen lassen. In der Region besonders getroffen hat es beispielsweise Baiersdorf und den Forchheimer Stadtteil Kersbach.

Hochwasser 2007: Eine Tote, Verletzte, Millionenschäden

„Nie wieder wollen wir das erleben müssen“, sagen die Anwohner heute. Anderthalb Meter hoch hatte das Wasser in manchem Keller gestanden, die Schäden damals gingen in die Millionenhöhe, mindestens zehn Menschen sind allein in den Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt verletzt worden, eine Frau starb sogar. Doch noch heute haben die Menschen in den betroffenen Gebieten bei jedem angekündigten Regenschauer Angst um ihr Zuhause. Das liegt daran, dass ihnen nach der Katastrophe ein technischer Hochwasserschutz versprochen worden ist. Doch noch immer, 17 Jahre danach, gibt es keinen. Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Die Anlage kommt.

Hochwasserschutz Kersbach: Plan des RegenrückhaltebeckensForchheim & Fränkische Schweiz
Hochwasserschutz Kersbach: Plan des Regenrückhaltebeckens // Stephan Großmann

Spatenstich für gigantisches Hochwasserrückhaltebecken

Bei bestem Oktobersonnenschein treffen sich Dutzende Menschen am Kersbacher Backhäusla. Hoher Besuch aus Politik und Verwaltung ist gekommen. Dort, zwischen dem südöstlichen Ortsrand Kersbachs und dem Nachbarort Effeltrich, entsteht gerade das Hochwasserrückhaltebecken. Ist es wie geplant in zwei Jahren fertig, kann es bis zu 51.000 Kubikmeter (das entspricht 40-mal der Wassermenge des Königsbads) Wasser fassen und den Ortsteil somit vor einer weiteren Hochwasserkatastrophe schützen. Das natürlich belassene und später wieder bewachsene Becken wird einmal gut 4,50 Meter tief und von einem Hochwasserdamm umrandet sein. Eine „tiefergelegte Wiese“ hatte Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein das Becken einmal genannt.

Im Moment werden nicht nur die Leitungen verlegt, sondern bereits am Drosselbauwerk gearbeitet.
Im Moment werden nicht nur die Leitungen verlegt, sondern bereits am Drosselbauwerk gearbeitet. // Stephan Großmann

Mehr als 17 Jahren müssen Kersbacher nun schon warten

Nachrichten, die sie gerne hören. Denn nicht nur, dass die Anwohner in den kommenden Jahren unter der Mega-Baustelle leiden werden. Auch warten sie seit fast 20 Jahren darauf, dass sich etwas tut. Nun ist es freilich nicht so, dass nicht von Beginn an der Wille dagewesen wäre, die Kersbacher künftig zu schützen.

Kirschsteins Vorgänger Franz Stumpf scheiterte nach jahrelangen Versuchen, den Hochwasserschutz gemeindeübergreifend über einen Zweckverband zu lösen. Als es endlich einen Plan gab, den sich die Stadt Forchheim schließlich zu stemmen imstande sah, stockte der für Umsetzung notwendig Erwerb von Grundstücksflächen. 2019 gab es einen Hoffnungsschimmer, als die Stadträte während einer Art Show-Sitzung den Kersbachern ihre Planungen vorlegten.

Dann passierte – zumindest für die Öffentlichkeit handfest greifbar – lange nicht viel. Viele Anwohner verloren die Geduld, auch weil sie es leid waren, jedes Jahr aufs Neue vertröstet zu werden. Erst im Juli 2023 konnten dann OB Kirschstein und Landrat Hermann Ulm den lang ersehnten Planfeststellungsbescheid für die mittlerweile fast acht Millionen Euro teure Investition präsentieren.

Symbolischer Spatenstich: Minister Glauber, Landrat Ulm, OB Kirschstein

Nun, noch einmal 15 Monate später, feiern alle Beteiligten mit zahlreichen Gästen den symbolischen Spatenstich, der den Bau offiziell einläutet. Begonnen habe man allerdings schon Juli, sagt Kirschstein. „Wir warten auf nichts mehr.“ Mehr als nur symbolisch überreicht zudem Bayerns Umweltminister, der Pinzberger Thorsten Glauber, den Förderbescheid des Freistaats an die Stadt. Fast 3,6 Millionen Euro kommen aus Glaubers Ministerium, immerhin 65 Prozent der Gesamtsumme. Glauber konstatiert: „Heute ist ein guter Tag für Kersbach.“

Beim offiziellen Spatenstich dabei: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, Landrat Hermann Ulm und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (von links)
Beim offiziellen Spatenstich dabei: Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber, Landrat Hermann Ulm und Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (von links) // Stephan Großmann

Das sehen auch die Anwohner so. Wenngleich ihnen die überschwängliche Feierlaune nach mehr als 17 Jahren Wartezeit sichtlich vergangen ist. „Aber wir sehen es natürlich positiv, dass es endlich losgeht“, sagen sie wie aus einem Munde. Und die noch bessere Nachricht: Weitere große Verzögerungen stehen aktuell nicht zu erwarten – die Finanzierung ist trotz Forchheims Haushaltsmisere gesichert und die Baustelle hat bereits begonnen.

Bis dahin bleibt ihnen nur zu hoffen, dass sich eine Unwetterkatastrophe wie 2007 nicht wiederholt. Und sie werden ihre Sandsäcke griffbereit halten.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!