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Teures Nachspiel
LGS-Streit in Kronach: Warum die Familie nun Spenden sammelt
In Kronach eskalierte ein Streit auf einem Spielplatz.
In Kronach eskalierte ein Streit auf einem Spielplatz. // Maria Löffler
Kronach – Nach der Eskalation auf einem Spielplatz bittet eine Familie im Netz um finanzielle Hilfe für hohe Geldstrafen. Für die Betroffenen ist das Geld auch ein Protest.

Am 20. April 2025 eskalierte auf dem Landesgartenschau-Gelände in Kronach ein anfänglicher Kinderstreit zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Erwachsenen. Eine deutsche Mutter, die zu diesem Zeitpunkt ihr zwölf Tage altes Baby auf dem Arm trug, wurde laut vorliegendem Strafbefehl von einer syrischen Frau und deren Töchtern angegriffen. Ihr wurde das Handy entrissen, mit dem sie dann selbst geschlagen worden sein soll. Neben der Mutter erlitt eine helfende Zeugin einen Bruch der elften Rippe. Während die Ermittlungen gegen die syrische Angreiferin wegen gefährlicher Körperverletzung andauern, wurde ein Verfahren gegen deutsche Mütter wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung mangels Tatnachweises eingestellt.

Der Facebook-Post ging in kürzester Zeit viral

Noch am Abend des Vorfalls veröffentlichte der Verlobte ein Video der Auseinandersetzung auf Facebook. Er begleitete das Beweismaterial jedoch mit umstrittenen Textzeilen, in denen unter anderem Begriffe wie „Kreaturen“ und „Sozialschmarotzer“ fielen und davon die Rede war, dass diese „massiv reduziert“ werden müssten. Wie diese Äußerungen im Detail zu deuten sind und auf wen genau sie abzielten, ist rechtlich noch nicht abschließend geklärt. Dennoch ließen die ersten juristischen Konsequenzen nicht lange auf sich warten: Der Beitrag ging viral und wurde über 1.900 Mal geteilt.

Gegen den Verlobten und Vater des Säuglings  wurde schließlich ein Strafbefehl über 15.000 Euro erlassen – unter anderem wegen der Verbreitung eines widerrechtlich aufgezeichneten Videos sowie des Vorwurfs der Volksverhetzung. Gegen seine Verlobte erging ein Strafbefehl über 1.500 Euro wegen eines Verstoßes gegen das Kunsturheberrechtsgesetz, da sie ungefragt gefilmt hatte. Beide haben gegen diese Strafbefehle Einspruch eingelegt, die gerichtliche Aufarbeitung vor dem Amtsgericht Kronach läuft derzeit.

Den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit wies der Angeklagte dabei vehement zurück: Er habe selbst eine Tochter mit einer ausländischen Frau, beschäftige in der Hochsaison in seinem eigenen Betrieb bis zu 80 Prozent ausländische Mitarbeiter und pflege weltweite Kontakte. 

Die Ungleichgewichtung der Strafen

Genau an diesem Punkt der juristischen Aufarbeitung sieht der Betroffene das Gleichgewicht der Justiz massiv gestört. Im Gespräch mit unserer Redaktion macht er deutlich, dass der jüngste Spendenaufruf im Internet kein reines Mittel zur Geldbeschaffung ist. „Einfach zu bezahlen, würde uns vermutlich billiger kommen“, rechnet er vor. Allein vor der Verhandlung habe die Familie bereits 1.500 Euro in die Hand nehmen müssen. Er kalkuliert mit Gesamtkosten von rund 25.000 Euro, wovon 16.500 Euro an ihnen hängenbleiben dürften, schätzt er.

Doch ein kleinlauter Rückzug kommt für das Paar nicht in Frage. „Uns geht es um Gerechtigkeit. Wir wollen zeigen, dass das, was uns passiert, nicht richtig ist." Die Verteilung der Tagessätze empfindet er als Hohn. „Ich würde ja die 15.000 Euro gerne bezahlen, wenn die Frau mindestens zwei Jahre in den Knast geht. Das ist doch keine Relation.“ Immer wieder verweist er auf die erlittene Gewalt: „Sie prügelt meine Frau und meinen Sohn krankenhausreif und holt anschließend noch ihre drei Kinder als Prügeltrupp. Sie bekommt dafür 90 Tagessätze, Melanie als Opfer 30 und ich 150. Da stimmt doch das Gleichgewicht nicht.“

Gegen den Vorwurf der Volksverhetzung

Dass er für seinen emotionalen Facebook-Post nun mit dem Vorwurf der Volksverhetzung konfrontiert ist, will er nicht auf sich sitzen lassen. Er habe in seinem Beitrag nicht zur Volksverhetzung aufgerufen, verteidigt er sich. „Es geht darum, dass gewisse Leute sich nicht ins System integrieren.“ Es gehe ihm um demokratische Werte und um Menschen, die nicht an diesem System teilnehmen würden. Dass er deshalb öffentlich verurteilt werde, frustriert ihn: „Sage ich was, werde ich auch noch auf die rechte Schiene geschoben, nur weil es manchen Leuten vielleicht nicht passt.“

Die Familie hat sich daher ganz bewusst dazu entschieden, die Strafbefehle nicht stillschweigend zu akzeptieren, sondern Einspruch einzulegen. „Wir stellen uns bewusst an den Pranger mit allen Konsequenzen, weil wir diesen Weg gehen. Es ist unser Recht, mit etwas nicht einverstanden zu sein.“ Aus dem Spielplatzstreit ist für beide ein prinzipieller Kampf geworden: „Diese Gewalt gibt es und darauf möchten wir aufmerksam machen. Deshalb führen wir diesen Musterprozess.“

Spenden als Zeichen des Protests

Rückenwind erfährt die Familie durch ihre Kampagne auf „GoFundMe". Hierbei handelt es sich um eine internationale Crowdfunding-Plattform, auf der Nutzer üblicherweise digitale Spendenaufrufe für medizinische Notfälle, Schicksalsschläge oder persönliche Projekte ins Leben rufen. Das offizielle Spendenziel der Familie war anfangs dort auf 5.500 Euro angesetzt. Mittlerweile hat es sich auf 9000 Euro erhöht. Auch der der Betroffene räumte ein, dass seine Verlobte intern eigentlich eine höhere Summe ins Auge gefasst hat und man mehr Geld benötige – auf eine konkrete Zahl legte er sich jedoch nicht fest.

Zwar sorgte die zwischenzeitliche Überprüfung der Aktion durch den US-Konzern für absurde Momente – so erhielt die Betroffene als Spendensammlerin einen Fragebogen, um aufgrund von US-Sanktionen auszuschließen, dass die Kronacher Spendengelder nach Syrien fließen. Doch die Aktion wurde mittlerweile wieder freigegeben.

Über 5000 Euro kamen in relativ kurzer Zeit zusammen. „Mit diesem Zuspruch hätten wir gar nicht gerechnet“, sagt er. „Allerdings ist mir die Anzahl der Spender fast noch wichtiger als die Geldsumme an sich. Sie haben mit ihrem Geld gegen die Strafen für uns gestimmt.“ Es seien Leute wie sie selbst, die es genauso verurteilten, was dort passiert sei. Er weiß dieses Engagement zu schätzen: „Was zu geben ist schwerer, als einfach was zu kommentieren oder zu liken. Fast 200 Leute haben in den eigenen Geldbeutel gegriffen. Das ist doch besser, als einfach nur zu maulen, aber nichts dagegen zu tun.“ 

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