Glück und Unglück – sie liegen bekanntlich oft nah beieinander. Der Coburger Generalmusikdirektor Daniel Carter ist jetzt – sagen wir das mal etwas grotesk: freudig-zerknirscht.
Letzte Woche veröffentlichte das Landestheater die Nachricht, dass der erst 2021 hier angetretene und binnen kurzer Zeit sehr erfolgreiche und beliebte Daniel Carter schon wieder geht, obwohl erst vor wenigen Monaten seine Verlängerung bis zur Spielzeit 2027/28 beschlossen worden war. Er ist offensichtlich so hin- und hergerissen, dass das Landestheater am Dienstag sogar extra einen Pressetermin anberaumte.
Daniel Carter hat nachdrücklich das Bedürfnis, sich gegenüber den Coburgern zu erklären: „Coburg ist eine wahnsinnig schöne Stadt. Ich habe hier viele Freunde gefunden. Die Menschen waren von Anfang an so freundlich zu mir. Da ist es nicht leicht, zu gehen.“ Schließlich sei das hier, erstmals als Chef, eine prägende Zeit für ihn gewesen. Er stecke in einer „Trauerphase“. Nun aber wird Carter ab September Musikdirektor des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar.
Probe mit Daniel Carter zur „Walküre“
Carter legt Wert darauf festzustellen, dass er sich weder irgendwo beworben, noch sich auf irgendeine Weise sonst umgesehen habe. Doch begabte junge Künstler befinden sich im Visier, das musste das renommierte Coburger Landestheater schon oft schmerzhaft feststellen – was aber wiederum eine besondere Glücks-Unglücks-Situation anzeigt.
Das Coburger Landestheater bewegt sich auf einem so hohen künstlerischen Niveau, woran Intendant Neil Barry Moss bei der Pressekonferenz erinnerte, dass vielversprechende junge Künstler aller Sparten und durchaus aus aller Welt hierhergelockt werden können. Und das Publikum in der vermeintlichen oberfränkischen Provinz erlebt wie selbstverständlich und regelmäßig herausragende künstlerische Begegnungen. Dass die großen Häuser der Republik dabei kontinuierlich nach Coburg blicken, ist bei allem Schmerz über den dann regelmäßigen Verlust begabter Persönlichkeiten auch ein Kompliment an das große Dreisparten-Haus in der kleinen Vestestadt.
Also kam es, wie es womöglich kommen musste: Der 35-jährige Daniel Carter, der vor seiner Coburger Zeit Korrepetitor und dann Dirigent und musikalischer Assistent von Generalmusikdirektorin Simone Young an der Hamburger Staatsoper und zuletzt Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin war, wurde letztes Jahr gebeten, sich in Weimar vorzustellen. „So ein Angebot, eines der ältesten und renommiertesten Orchester der Welt zu leiten, kann man nicht ablehnen“, zuckt der Australier mit den Schultern. Aber: „Ich habe hart verhandelt. Ich gehe nicht so einfach von einem Moment auf den anderen. Ich wollte den Coburgern zeigen, dass sie mir wichtig sind. Sie haben mir so viel gegeben.“
Carter erzählt, wie er in der ersten Zeit seines Engagements hier jedes Wochenende zurück nach Berlin gefahren sei. „Aber ich habe mich schnell in Coburg verliebt und bin bald hier geblieben. Ich habe mich wirklich integriert, war zum Beispiel jetzt am Wochenende bei der Vesperkirche dabei. Und ich werde Coburg erhalten bleiben, als Besucher.“
“Überall, wo man den GMD vorne erwartet, werde ich da sein, ob Sinfoniekonzerte, Neujahrskonzert oder Rosengarten-Open Air.
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Daniel Carter hat sich also in Weimar ausbedungen, dass er auch in der kommenden Spielzeit seinen Verpflichtungen in Coburg noch nachkommen werde. „Überall, wo man den GMD vorne erwartet, werde ich da sein, ob Sinfoniekonzerte, Neujahrskonzert oder Rosengarten-Open Air.“ Opern werde er zwei mitgestalten. Näheres wird erst bei der Programmvorstellung zur nächsten Spielzeit am 9. April bekanntgegeben. Er werde auch seinen umfangreichen administrativen Aufgaben im Hintergrund nachkommen. „Coburg wird kein Nebenjob.“ Und Weimar? – Die müssen sich erst mal damit abfinden, dass er nur an den allerwichtigsten Aufgaben beteiligt sein werde. Carter wollte fairerweise Coburg Zeit geben für die Suche nach einer adäquaten Nachfolge.
Neustart beim Nationaltheater Weimar
Das Deutsche Nationaltheater Weimar steht vor einem kompletten Neustart. In Coburg wurde letztes Jahr das zunächst hoch gelobte „Direktorenmodell“ zur Leitung des Landestheaters abrupt beendet, mit der Ernennung von Neil Barry Moss zum Intendanten. In Weimar wird demnächst eine „Teamintendanz“ mit Valentin Schwarz, Dorian Dreher und Timon Jansen die Nachfolge des zwölf Jahre amtierenden Generalintendanten Hasko Weber antreten. Carter wird vor allem bei Produktionen von Valentin Schwarz dabei sein. Der neue künstlerische Geschäftsführer und Chef-Regisseur hatte 2022 Wagners „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen inszeniert. „Wir freuen uns, mit Daniel Carter einen der erstklassigen Operndirigenten seiner Generation für das DNT gewonnen zu haben. Damit ist die musikalische Leitung des Hauses zu Beginn der neuen Spielzeit komplett und vielversprechend aufgestellt“, heißt es auf der Homepage des Nationaltheaters Weimar.















