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Mensch, Coburg!
Dieser Zoff hätte nicht sein müssen
Oliver Schmidt
Oliver Schmidt // Coburger Tageblatt
Coburg – Die Grünen wollten mit ihrem „Sofortprogramm für eine verkehrsberuhigte Innenstadt“ eine Diskussion anstoßen. Doch inzwischen wird gestritten, was das Zeug hält. Dazu eine kommentierende Betrachtung von unserem Redakteur Oliver Schmidt.

Der Streit um eine verkehrsberuhigte Innenstadt spitzt sich zu. Leider. Abgesehen davon, dass es schade ist, mittlerweile tatsächlich von einem „Streit“ sprechen zu müssen, obwohl eine „Diskussion“ viel zielführender wäre: Ärgerlich ist vor allem, dass die verhärteten Fronten zu einem Großteil auf Missverständnissen beruhen. Ob es zu diesen Missverständnissen bewusst oder unbewusst kam, sei mal dahingestellt.

Neuester Aufreger ist, dass Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) es abgelehnt hat, 1600 Unterschriften entgegenzunehmen, die von Händlern gegen das Konzept der Grünen gesammelt wurden. „Unverschämt“ finden das die einen. „Genau richtig so“, sagen die anderen.

Was genau ist bislang passiert?

Arbeiten wir doch mal alles sachlich auf: Was genau ist bislang passiert? Im November 2022 hatten die Coburger Grünen ein „Sofortprogramm für eine verkehrsberuhigte Innenstadt“ beschlossen. Es enthält mehr als 20 Vorschläge, wie die „Aufenthalts- und Lebensqualität in der Innenstadt“ verbessert werden könnte.

Medien haben eine Teilschuld

Zugegeben: Die Medien haben auch einen Anteil daran, dass die Diskussion sehr schnell auf eine schiefe Bahn geriet. Auf der Suche nach knackigen Überschriften wird aus dem zwölfseitigen Programm nämlich gerne mal sehr verkürzt die Parole: „Autos raus!“ Dabei heißt es im Konzept der Grünen wörtlich: „Wir hoffen, mit unseren Vorschlägen eine Diskussion anzustoßen.“ Und: „Wir sind fest davon überzeugt, dass eine Umsetzung zu einer deutlichen Reduzierung des automobilen Individualverkehrs mit all seinen Gefahren und Nachteilen führen wird, ohne die grundsätzliche Auto-Erreichbarkeit der Innenstadt einzuschränken.“ Entscheidend ist der letzte Halbsatz: Nein, es geht nicht darum, dass niemand mehr mit dem Auto in die Innenstadt fahren soll. Passender wäre die Parole: „Autos rein in die Parkhäuser!“ Denn der Park-Such-Verkehr ist es, der etwa im Bereich Steingasse/Morizkirche und in der Mohrenstraße/Webergasse für reichlich Lärm und Abgase sorgt. Kann das die Zukunft der Coburger Innenstadt sein?

Es gab Hoffnung

Im Dezember hatte das Coburger Tageblatt ein bemerkenswertes Gespräch organisiert. Helena Lakemann (Grüne) und Maximilian Forkel (CSU) diskutierten sachlich über das Konzept. In einigen Punkten konnten sie sich sogar annähern. Es war ein zartes Pflänzchen der Hoffnung.

Wenige Monate später ist das Pflänzchen eingegangen. Mag sein, dass die Grünen etwas zu schnell vorgeprescht sind und eine Verkehrsberuhigung der Steingasse bereits als Stadtratsantrag eingebracht haben. Mehr als unglücklich war es aber auch, dass zahlreiche Händler sofort eine Unterschriftensammlung starteten, mit der das komplette Konzept der Grünen in Bausch und Bogen verurteilt wird.

„OB ist der falsche Adressat“

1600 Unterschriften kamen zusammen. Übergeben wurden sie von der Aktionsgemeinschaft Zentrum zunächst der IHK. Eine Woche später wollte man Kopien auch dem Oberbürgermeister bringen, doch der lehnte eine Entgegennahme ab. Begründung des Pressesprechers: Der OB könne doch nur dann Unterschriften annehmen, wenn diese sich für oder gegen eine bestimmte Planung der Stadt richten. Die jetzt gesammelten Unterschriften würden sich aber mit den Forderungen einer Partei befassen. Der OB sei also der falsche Adressat.

Bei „Zentrum“ hält man dagegen: Zumindest für die Steingasse liege ja bereits ein Stadtratsantrag vor. Stimmt! Aber bei der Steingasse hätte man auch glatt an eine schnelle Einigung denken können – erinnert sei an das zarte Pflänzchen!

Die Coburger Grünen schlagen unter anderem in der Steingasse eine Verkehrsberuhigung vor. Dann wäre mehr Platz (und mehr Ruhe) für die Außengastronomie.Steingasse in Coburg
Die Coburger Grünen schlagen unter anderem in der Steingasse eine Verkehrsberuhigung vor. Dann wäre mehr Platz (und mehr Ruhe) für die Außengastronomie. // Archiv

In einem Offenen Brief an Dominik Sauerteig pocht „Zentrum“ dennoch auf einen Termin: „Aufgrund der herausragenden Bedeutung des Thema ist es uns ein wichtiges Anliegen, Ihnen unsere Einschätzungen darzulegen.“ Dazu der Pressesprecher der Stadt: „Der OB hört sich selbstverständlich die Argumente an.“

Ja, Reden hilft. Oft mehr als viele Unterschriften oder eine knackige Überschrift.

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