Zunächst einmal dürfte sich Hubert Aiwanger freuen: Am Freitag wurde bekanntgegeben, dass die Stadt Coburg nicht länger ein weißer Fleck auf der Freie-Wähler-Landkarte ist. Denn die Christlich-Sozialen Bürger (CSB), die sich 2007 von der Coburger CSU abgespalten hatten, sind dem FW-Landesverband beigetreten.
Ob die Gruppierung unter dem Namen FW-CSB Coburg an frühere Erfolge der Freien Wähler in der Vestestadt wird anknüpfen können?
Zur Erinnerung: In den 1970er und 1980er stellten die Freien Wähler sogar Bürgermeister in Coburg. Doch 2012 kam es zum Bruch. Weil die Coburger die landes- und vor allem auch bundespolitischen Expansionspläne von Hubert Aiwanger nicht mitgehen wollten, verließen sie den FW-Landesverband und nannten sich in „Pro Coburg“ um.
Die „neuen“ Freien Wähler von Coburg haben aber offenbar auch kein ungetrübtes Verhältnis zum mächtigen Bundes- und Landesvorsitzenden.
Beim Pressegespräch am Freitag wurden die versammelten Herren gefragt: Würde man sich freuen, wenn Aiwanger mal zu einer Veranstaltung nach Coburg kommt? Fraktionsvorsitzender Christian Müller versuchte zunächst auszuweichen: „Der Terminkalender von Hubert Aiwanger ist bestimmt so voll, dass er es gar nicht schafft, nach Coburg zu kommen.“
Wird Aiwanger nach Coburg eingeladen?
Okay, anders gefragt: Würde FW-CSB den Herrn Aiwanger nach Coburg einladen? „Das ziehe ich jetzt eher mal in Zweifel“, sagte Müller, der aber auch gleich zu beschwichtigen versuchte: Der Schwerpunkt von FW-CSB liege nun einmal auf „Politik aus Coburg für Coburg“.
Christian Gunsenheimer übte sich ebenfalls in der hohen Kunst der diplomatischen Worte: „Ich habe zwar politisch ein durchaus kritisches Verhältnis zu Hubert Aiwanger, aber persönlich ein gutes.“ Und: „Es ist sicher kein Fehler, die Telefonnummer des bayerischen Wirtschaftsministers zu haben.“
Hans-Heinrich Ulmann, der 18 Jahre lang Vorsitzender der CSB war und dies nun auch bei FW-CSB ist, verspricht sich von der Zusammenarbeit mit den Freien Wählern so einiges: „Wir haben damit eine breitere Basis und können noch mehr Interessierte aus bürgerlichem Lager ansprechen.“ Er sehe FW-CSB auch als ein Angebot an diejenigen Bürger, die mit den etablierten Parteien nicht zufrieden sind. Zugleich betonte Ulmann: „Wir streben nicht an, auf Bezirks-, Landes- oder Bundesebene tätig zu werden.“ Man wolle sich auf Coburg konzentrieren und dort auf die „bürgerliche Mitte“.
„Wir sind die Kraft der bürgerlichen Mitte!“
Ähnliche Worte wählte Christian Müller als Vorsitzender der FW-CSB-Stadtratsfraktion: „Wir sind die Kraft der bürgerlichen Mitte!“ Aber was genau bedeutet das inhaltlich? Müller nannte daraufhin als Beispiel die Verkehrspolitik in Coburg. „Interessierte Kreise“, wie er es nannte, würden zurzeit sehr einseitig den Fahrradverkehr fördern. Ja, räumte Müller ein, der Fahrradverkehr spiele in Coburg „leider“ noch immer eine untergeordnete Rolle, was sich auf jeden Fall ändern müsse. Aber: „Wir wollen die Verkehrssituation ganzheitlich betrachten. Es darf nicht eindimensional vorgegangen werden.“ René Boldt sprach an anderer Stelle von einer „ideologiefreien Politik“, für die FW-CSB stehe.
Kritik an aktueller Politik
Hans-Heinrich Ulmann machte deutlich, was ihn an der aktuellen Politik in Coburg grundsätzlich stört: „Mir wird zu viel geplant und zu wenig gemacht.“ Das sah Christian Gunsenheimer genauso: „Ich würde mir wünschen, dass manche Projekte genauso schnell umgesetzt werden wie zuvor die Presseerklärung verfasst worden ist, in der das Projekt angekündigt wird.“
“Wir haben René Boldt mit offenen Armen empfangen!
”
Was die personelle Aufstellung von FW-CSB betrifft, mussten sich die vier am Freitag versammelten Herren (alle Ü50) ebenfalls Nachfragen gefallen lassen. „Unsere Zweite Vorsitzende Ina Weberpals ist heute leider terminlich verhindert“, beteuerte Müller. Er kündigte an, dass auf der 40-köpfigen Stadtratsliste auch viele junge Menschen dabei sein werden.
CSU, CSB, FW und Pro Coburg – eine Chronologie der Ereignisse
- 2007: In der Coburger CSU gibt es Streit um die Positionierung zum neuen Innenstadtkonzept. Mehrere Parteimitglieder, darunter der damalige Kreisvorsitzende Christian Müller, verlassen die CSU und bilden die Christlich-Sozialen Bürger (CSB)
- 2008: Die CSB schaffen bei der Kommunalwahl den Einzug in den Coburger Stadtrat
- 2012: Aus Protest gegen die bundesweiten Expansionspläne von Hubert Aiwanger treten die Freien Wähler Coburg aus dem FW-Landesverband aus und nennen sich fortan „Pro Coburg“
- 2014 und 2020: Bei den Kommunalwahlen schafft sowohl „Pro Coburg“ als auch CSB den Einzug in den Stadtrat
- 2025: Die CSB treten dem FW-Landesverband bei und nennen sich fortan FW-CSB. Zur Kommunalwahl im März 2026 wollen sie sogar mit einem eigenen OB-Kandidaten antreten















