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Leben für Lokalpolitik
Manfreddampf in allen Gassen: Porträt eines Herz-Politikers
Warum ausgerechnet ein Porträt über ihn, fragt Manfred Hümmer. Weil er einer der langjährigsten, umtriebigsten und präsentesten Politiker in und um Forchheim ist, antworte ich.
Warum ausgerechnet ein Porträt über ihn, fragt Manfred Hümmer. Weil er einer der langjährigsten, umtriebigsten und präsentesten Politiker in und um Forchheim ist, antworte ich. // Stephan Großmann
Forchheim – Manfred Hümmer: Politisch Interessierte kommen in Forchheim nicht an diesem Namen vorbei. Was den Vollblut-Kommunalpolitiker antreibt, was ihn stört, was ihn motiviert. Versuch einer Annäherung.

Auf und ab. Es sind in diesem Jahr nicht nur die Serpentinen rund um den Gennargentu, die es ihm antun. Hinzu kommen das postkartenblaue Wasser rund um Sardinien, die mediterrane Leichtigkeit und das Dröhnen des Motors, das die Geräusche der Welt für die Zeit der Fahrt ausblenden. Auf dem Motorrad fühlt sich Manfred Hümmer wohl. Seit Jahrzehnten, so oft wie möglich. Fast wie zu Hause. Aber nur fast. Das Zuhause des 63-Jährigen liegt 1000 Kilometer weiter im Norden. In Forchheim. In Forchheim-Nord, wie er betont.

Hümmer, der Motorradfahrer. Hümmer, der pensionierte Polizist. Hümmer, der Ehemann und Vater. Vor allem aber: Hümmer, der Vollblutpolitiker. Wer bei dem Polizisten und Verwaltungsfachwirt zu Gast ist, ahnt auf den ersten Blick nichts davon, dass kaum eine politische Entscheidung in Oberfranken getroffen wird, ohne dass Hümmer zumindest mitgeredet hat. Für das Interview lädt er in sein Haus, kocht Kaffee, bietet eigens gekaufte Backwaren an, gibt das Lob über die gemütliche Einrichtung schnell an seine Frau weiter: „Sie hat den guten Geschmack“. [Warum ausgerechnet er jetzt für ein journalistisches Porträt infrage käme, will er wissen. Weil er einer der wohl auffälligsten und engagiertesten Ehrenamts-Politiker Forchheims ist, antworte ich.] 

Ein Selfie von seinem jüngsten Trip nach Sardinien: Mit freiem Kopf Kraft tanken
Ein Selfie von seinem jüngsten Trip nach Sardinien: Mit freiem Kopf Kraft tanken // Hümmer/privat

Manfred Hümmer, Vollblutpolitiker und Themenkenner

Schnell extrahieren sich aus unseren lockeren Plauderei die akuten politische Herausforderungen „seines“ Forchheims. Angespannter Haushalt bei einem Plus an Pflichtaufgaben, Kulturhallen-Vakuum, Großbaustellen, Klimaschutz. Hümmer kann zu jedem Thema mindestens mitreden, er spricht schnell, erklärt viel, hinterfragt das meiste. Auch an diesem Maitag verliert sich Hümmer schnell und gerne im politischen Detail. Schlösse man die Augen, könnte man sich in der Aula der Ritter-von-Traitteur-Schule wähnen, während einer Stadtratssitzung. Manfred Hümmer ist (Lokal-)Politiker mit Leib und Seele, wahrscheinlich kann er gar nicht anders. Mindestens aber will er es nicht.

Er ist Vollblutpolitiker und glühender Anhänger seiner Freien Wähler. Er ist es während des Interviews, er ist es, wenn er eine Brotzeit im Kellerwald genießt und er ist es, wenn er durch die Stadt bummelt. „Meine Frau mag schon gar nicht mehr mit mir in die Innenstadt“, sagt er. Und lacht. Das gehöre für einen Politiker auf Kommunalebene dazu, fügt er an. Die Themen liegen auf der Straße, bei den Menschen. Oft genug sind die Menschen die Themen selbst.

Komplexe Themen und Probleme mit dem OB

„Es ist eine sehr herausfordernde Zeit für einen Kommunalpolitiker, aber es macht Spaß.“ Herausfordernd sei es, weil die Themenfelder komplexer geworden seien, seit er 2008 seine erste Sitzungsvorlage des Stadtrats vor sich liegen hatte. Weil manche Fraktionen immer häufiger ideologisch agieren würden. Weil er mit der politischen Kommunikation von Oberbürgermeister Uwe Kirschstein – sichtbar – selten gut zurechtkomme. Weil nicht nur im Internet die Gürtellinie immer häufiger unterboten würde.

Stets im Thema, streitbar, kommunikativ: „Herausfordernde Zeit"
Stets im Thema, streitbar, kommunikativ: „Herausfordernde Zeit" // Stephan Großmann

Inhaltlich aber fühlt er sich wohl, nach so langen Jahren müsse er nicht mehr jeden Antrag bis auf den letzten Buchstaben studieren, sich nicht jedes Mal neu einarbeiten. „Ich kenne viele Themen, habe viele Erfahrungen sammeln können.“ Das erklärt für den neutralen politischen Beobachter, wie gut es Hümmer stets versteht, in beinahe jedem Thema vorbereitet und jederzeit sprechfähig zu erscheinen. Mitunter harsch seine Meinung zu sagen, mitunter genauso harsch andere Meinungen zu kommentieren. Nicht selten entsteht dadurch der Eindruck, er hadere mit einigen Vertretern anderer Fraktionen. „Ich streite mich gerne über politische Themen, privat komme ich mit den meisten Kollegen gut klar.“

Keine Freien Wähler ohne Manfred Hümmer

Und Themen beackert Hümmer viele. Er ist Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler (FW) sowohl im Forchheimer Stadtrat als auch im Kreistag als auch im Bezirkstag. Zugleich ist er Vorsitzender der Freien Wähler in Oberfranken, Mitglied im Landesvorstand und seit zehn Jahren Vorsitzender des FW-Kreisverbandes sowie der FW-Kreisvereinigung (erst im April wurde er einstimmig wiedergewählt). Allein die Liste seiner Ehrenämter und Mitgliedschaften passt kaum noch auf eine Din-A4-Seite. Wie viele Stunden sein Tag habe, frage ich. Er lacht kurz, überlegt aber sogleich. In ruhigen Zeiten wende er vielleicht 20 Stunden pro Woche auf. In Wahljahren oder wenn große Themen angepackt werden müssten, können es schnell 40 Stunden werden.

Dass er seit Oktober 2023 nicht mehr im Prüfungsamt der Bayerischen Polizei arbeitet, hilft dabei. Von Ruhestand kann aber keine Rede sein: „Jetzt nehme ich eben vormittags Termine wahr.“ Seine Frau Daniela unterstütze ihn, halte „ihm den Rücken frei“, fordere ihn aber auch politisch heraus. „Viele Themen werden das erste Mal bei uns am Abendbrottisch diskutiert.“

Für seine Freien Wähler ist Hümmer kein Weg zu weit - nicht nur in Wahljahren.
Für seine Freien Wähler ist Hümmer kein Weg zu weit - nicht nur in Wahljahren. // Stephan Großmann

Anekdoten-Fundus: Aiwanger, Alt-OB Stumpf, AfD

Dort hat er auch schon viele Anekdoten aus seiner langjährigen Politikzeit erzählt. Etwa dass er sich Ärger von Alt-OB Franz Stumpf eingehandelt hatte, weil er schon 2008 erwähnte, dass das alte Rathaus eine Sanierung brauchen könnte. Oder von den stundenlangen WhatsApp-Chats „mit dem Hubert“ [Aiwanger, Anm. d. Red.], dem er nach der Flugblatt-Affäre zwar den Kopf gewaschen habe, ihm aber nach wie vor stets beistehen würde.

Oder von den gescheiterten Wahlen zum Oberbürgermeister. Oder von seiner Vision, dass in der Kommunalpolitik stets das beste Argument gewinnen sollte. Egal, von wem es kommt. Ganz egal. Ganz egal? „Auch wenn die AfD einmal einen wirklich guten Vorschlag bringen würde, müssten wir uns mit diesem inhaltlich vernünftig auseinandersetzen.“ Ich stutze, das merkt er, schiebt nach: „Es sollten immer nur die Sachthemen im Fokus stehen.“

Dass dies so im Stadtrat (Hümmer: „leider“) nicht der Fall ist, wurmt ihn etwas. Entmutigen lassen wolle er sich davon nicht. „Politik ist immer eine Herausforderung.“ Ein ständiges Auf und Ab. Wie die Serpentinen am Gennargentu.

Wo er das nächste Mal mit seiner Moto Guzzi zum Krafttanken hinfährt, weiß er noch nicht. Hauptsache, der Motor dröhnt. Und es geht auf und ab.  

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