Fasziniert schauen die Jugendlichen auf den Bildschirm, nach wenigen Sekunden zeichnet sich der 3D-Scan ab. Kurz zuvor haben sie ihren Kopf mit einer speziellen Kamera aufgenommen, ein weiterer Klick und schon könnten sie den dreidimensionalen Druck starten. Eine Büste im Kleinformat, ganz einfach, nebenbei.
IT-Summercamp im Medical Valley Center Forchheim mit ProCarement
Eigentlich haben sich die Jugendlichen des IT-Summercamps in diesem Jahr unter Anleitung der Firma ProCarement im Medical Valley Center mit Softwareentwicklung beschäftigt und das Programmieren erlernt – einfache Spiele standen auf dem Stundenplan.
Zum Finale durften sie ihre Projekte im Bayern Lab Forchheim vorstellen. Das Ziel des Ganzen: Junge Menschen nachhaltig für IT zu begeistern und bestenfalls schon frühzeitig für den heimischen Arbeitsmarkt vorzubereiten.
Fachkräftemangel: Wie entwickelt sich die Lage?
Diese jungen Leute aus dem IT-Summercamp sind sicherlich solche Positivbeispiele wie das Projekt selbst. Aber reichen beide aus, dem viel besungenen Fachkräftemangel zu begegnen?
Liest man die aktuellen Berichte der Arbeitsmarktexperten, entwickelt sich die Lage ziemlich unerfreulich.
Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit
So geht aus der im Juni vorgestellten Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit hervor, dass im vorigen Jahr viele Berufe hinzugekommen sind, in denen es an Fachkräften mangelt. In jedem sechsten Bereich komme es demnach zu Engpässen im Personalplan. Auch und gerade in technischen und IT-Branchen.
Und die Lage könnte sich unter anderem dadurch verschlimmern, dass alleine in Bayern 2022 fast fünf Prozent weniger Studierende ihren Hochschulabschluss erfolgreich ablegten als noch im Jahr zuvor. Gleichzeitig aber steigen die Bedarfe bayerischer Firmen nach gut ausgebildeten Fachkräften – auch im Landkreis Forchheim.
Naumann, Wirtschaftsförderung Forchheim: „Früh um Talente bemühen“
„Die heimische Wirtschaft muss sich schon früh um neue Talente bemühen“, sagt Viktor Naumann, Chef der Wirtschaftsförderung Forchheim und Geschäftsführer des Medical Valley Center. „Es geht dabei aber nicht nur um praktische Fertigkeiten. Wir wollen bei den Kindern und Jugendlichen bereits ein digitales Mindset schaffen.“
Dass dieses Mindset bei vielen jungen Leuten dem Grunde nach vorhanden ist, zeigen Projekte wie das Forchheimer IT-Summercamp. Häufig hapert es aber daran, interessierte und talentierte junge Menschen wirklich in den Bildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren.
Digitalexpertin Annika Leopold: Transferdenken immens wichtig
Solche Erfahrungen hat beispielsweise Annika Leopold von Die Digitalwerkstatt in Forchheim schon oft gemacht.
Sie berät Unternehmen unter anderem darin, wie sie digitale Arbeitsweisen in ihre Alltage integrieren können, und erkennt gleich zwei Probleme: „Digitalkompetenz heißt nicht, irgendwelche Programme benutzen zu können, sondern ein Transferdenken anwenden zu können. Das fehlt immer häufiger.“
Und: Nicht selten fehle es an einem fruchtbaren Arbeitsumfeld für den Nachwuchs; überlastete Kollegen und übervolle Terminkalender seien nicht hilfreich, um sich ständig mit neuen Technologien und Arbeitsweisen auseinanderzusetzen. „Wir merken eher eine Technologiemüdigkeit als eine Offenheit.“
Wer den Teilnehmern des IT-Summercamps über die Schultern schaut, weiß, dieser Befund gilt nicht für sie. Aber auch, dass Projekte wie dieses nur ein Anfang sein können. Wie BayernLab-Leiter Harald Bürger sagt, sei es mitunter schwer, Unternehmen deren wirklichen Bedarfe zu entlocken.
Studie vbw: Lage verschlimmert sich
Eine Studie der vbw (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft) rechnet vor, dass das Arbeitskräfteangebot in Bayern bis 2035 noch einmal um fast zehn Prozent zurückgehen wird.
Wie Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) während eines Besuchs bei der Forchheimer Wirtschaft in dieser Woche sagte, werde der Fachkräftemangel nicht komplett durch Technologien aufzuhalten sein.
„Aber es gibt Bereiche, in denen Digitalisierung helfen kann, den Mangel einzudämmen“, so Gerlach.
Spannende Aussichten vor allem für die Region rund um Forchheim mit dem Fokus auf Technologiefirmen, welche auch für die digitale Zukunft der Arbeit fit bleiben sollen. Wenn sie wollen.
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