0
Nächste Eskalationsstufe
Philosophenviertel: Investor will Bau mit Drohung erzwingen
Der Anfang vom Ende des Philosophenviertels ist eingeläutet, doch die Investoren wollen am Bau festhalten. Nun bringt eine brisante Mail neue Würze in den alten Streit.
Der Anfang vom Ende des Philosophenviertels ist eingeläutet, doch die Investoren wollen am Bau festhalten. Nun bringt eine brisante Mail neue Würze in den alten Streit. // Stephan Großmann
Forchheim – Beim Forchheimer Wohnbauprojekt Philosophenviertel eskaliert der Streit: Die österreichischen Investoren versenden eine brisante Mail an die Stadtpolitik. Darin enthalten: eine fragwürdige Drohung.

Von einem Kampf zu sprechen, ist verfrüht. Doch mindestens einer der Kontrahenten hat bereits den Ring bestiegen und schnürt die Handschuhe. Statt sich bei Forchheims aktuell größtem Wohnungsbauprojekt die Köpfe über Detailfragen zu zerbrechen, kultivieren Stadt und Stadtrat auf der einen Seite sowie die Philosophenviertel Beteiligungsgesellschaft auf der anderen Seite ihre gegenseitige Abneigung öffentlichkeitswirksam. Nun ist die nächste Stufe auf der Eskalationsskala erreicht.

Österreichischer Investor schickt brisante Mail nach Forchheim

55 Empfänger zählt die Mail, welche die Wiener Herren Friedrich Scheck und Claus Krenstetter an Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, alle Stadtratsmitglieder und die Presse versendet haben. Krenstetter, Geschäftsführer der Philosophenviertel Forchheim Beteiligungsgesellschaft sowie Geschäftsführer und Partner von Scheck beim österreichischen Investor WT 80 aus Wien, monieren, dass Forchheims Stadtrat am heutigen Dienstag (22. Oktober) voraussichtlich die Einleitung der Aufhebung des Bebauungsplans beschließen wird.

Ferner drücken sie ihre „Verwunderung“ darüber aus, dass die Stadt Forchheim „ein so wichtiges Bauvorhaben mit nicht nur lauteren Mitteln zu torpedieren“ versuche. Man sei bis dato noch nicht über die einstimmige Beschlussempfehlung des Planungsausschusses informiert worden, beklagen Scheck und Krenstetter. Und das, obwohl es im Spätsommer aus ihrer Sicht konstruktive Gespräche mit der Stadt Forchheim gegeben habe. Darüber hinaus sei es „unerhört, wenn Vertreter der Bürger der Stadt Beschlüsse zum Nachteil der Bevölkerung“ durchwinkten.

Drohung: „falsche“ Bevölkerungsschichten anlocken

Ihrer „Verwunderung“ schieben sie jedoch eine aus moralischen und gesellschaftspolitischen Gründen mindestens fragwürdige Drohung hinterher. Krenstetter und Scheck argumentieren, dass die Aufhebung des Bebauungsplans die Umsetzung nicht verhindern würde, „sondern lediglich die Qualität der Baumaßnahmen vermindern“. Müssten sie mit „Standards von vorgestern“ bauen, sähen sich damit von der Politik gezwungen, „Bevölkerungsschichten in die Stadt zu holen“, die froh seien, „überhaupt ein Dach über ihrem Kopf zu haben“. 

Ihnen sei es in den vergangenen Monaten darum gegangen, den Mega-Bau (dessen Planung bereits fünf Jahre alt ist) auf den neuesten Stand zu bringen; hinsichtlich Klimaschutz und Qualitätsstandards. In der Mail heißt es: „Wird dieser Beschluss dennoch gefasst, gibt es wohl keine andere Auswirkung daraus als jene, dass die Politik zum Schaden der Bevölkerung agiert. Wir werden aber unser Vorhaben dennoch umsetzen, dann eben der Baugenehmigung entsprechend mit minderer und nicht ganz zeitgemäßer Qualität.“

Stadtrat Forchheim entscheidet am 22. Oktober

Ob sich Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein und die Mitglieder des Stadtrats von diesen Zeilen beeindrucken lassen, ist nicht zu erwarten. Denn wie in den vergangenen Monaten herauszulesen war, mag Forchheim nicht mehr. Nach Hängepartien, plötzlichen Planänderungen und scheinbar schiefer Kommunikation will die Stadt Forchheim die Reißleine ziehen. Das Philosophenviertel soll es – zumindest so – nicht geben. Ihr Entschluss, so scheint es, steht fest.

Nachdem Stadt und Stadtrat mit der Zeit die Geduld verloren haben, weil auf dem ehemaligen Jahngelände nichts passiert war, wendet sich das Blatt. Nicht mehr die Stadt treibt die Philosophenviertel Beteiligungsgesellschaft samt ihrer österreichischen Investorengesellschaft WT 80 vor sich her, endlich die versprochenen 286 Wohnungen zu bauen. Nun sind es die Herren Scheck und Krenstetter, die das Bauprojekt mit allen Mitteln durchdrücken wollen. Die Mail schließt mit diesen Worten: „Unser Entschluss, dieses Bauvorhaben umzusetzen, steht jedenfalls fest.“

Am Dienstagnachmittag wird das Thema Bebauungsplan abschließend in der Vollversammlung des Stadtrates behandelt. Vom Tisch ist das Philosophenviertel aber noch lange nicht.

+++Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.+++

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!