Jochen Blum von der Polizeiinspektion Erlangen-Land in Uttenreuth stellte seine statistischen Daten über das Unfallgeschehen im Landkreis ERH kürzlich der Presse vor. Demnach kam es im Jahr 2023 zu genau 2900 Verkehrsunfällen im Kreisgebiet.
2023: Nach der Corona-Delle wieder mehr Unfälle
Der Landkreis Erlangen-Höchstadt mit einer Fläche von rund 565 Quadratkilometern umfasst 25 Städte und Gemeinden mit zusammen 141.000 Einwohnern. Zum 31. Dezember 2023 waren auf diesem Gebiet laut Blum 131.091 Kraftfahrzeuge angemeldet – vom leichten Motorrad bis zum Schwerlastwagen. Das von der Polizei Erlangen-Land zusammengetragene Zahlenwerk umfasst das Unfallgeschehen auf den Orts-, Kreis-, Staats- und Bundesstraßen des gesamten Kreisgebiets. Autobahnunfälle sind dagegen nicht enthalten.
So kam es laut Blum im Jahr 2023 zu in Summe 2900 polizeilich erfassten Verkehrsunfällen, das sind rund acht pro Tag. Im Vergleich zum Vorjahr 2022 mit 2916 Unfällen blieb die Zahl nahezu konstant. Wie der Polizeibeamte erklärte, waren es in den Jahren 2020 und 2021 deutlich weniger. Wir erinnern uns: Wegen der Coronakrise wurden damals flächendeckende Lockdowns verhängt, Veranstaltungen fielen aus und viele Arbeitnehmer wechselten ins Homeoffice. Im Ergebnis war auf den Straßen weniger los. Corona brachte also eine Delle bei den Unfallzahlen mit sich.
Einen großen Anteil machen Wildunfälle aus
Wichtig zu wissen: Bagatellunfälle wie Parkrempler vor dem Supermarkt gehen genauso in die Statistik ein wie große Unfälle mit Schwerverletzten und Toten. Den größten Anteil am Unfallgeschehen machen laut Blum Kleinunfälle mit Bußgeldern unter 60 Euro aus. Davon gab es im vergangenen Jahr 1763 Stück im Landkreis ERH. Einen großen Anteil daran wiederum machten Wildunfälle aus.
Dann kam es noch zu 747 Unfällen mit Sach- aber ohne Personenschäden, die ein Bußgeld ab 60 Euro aufwärts nach sich zogen. Bei den 386 Unfällen mit Verletzten aber ohne Tote wurden insgesamt 478 Personen leicht, mittelschwer oder schwer verletzt. Schließlich kam es laut Polizeistatistik 2023 auch noch zu vier Unfällen mit Todesfolge, bei denen jeweils ein Mensch ums Leben kam.
Vier tödliche Unfälle in der Statistik des Jahres
Am Mittwoch, 18. Januar, gegen 18:50 Uhr ereignete sich der erste tödliche Unfall des Jahres 2023 und zwar in Falkendorf (Gemeinde Aurachtal). Ein 78-Jähriger war mit seinem Fahrrad entlang der Falkendorfer Hauptstraße unterwegs und wurde dort von einem Auto erfasst. Der Mann verstarb noch an der Unfallstelle.
Am Dienstag, 11. Juli, kam auf der Staatsstraße bei Rezelsdorf (Gemeinde Weisendorf) ein 25-jähriger Motorradfahrer ums Leben. Eine Autofahrerin wollte dort gegen 14 Uhr nach links in Richtung Oberreichenbach abbiegen; im Kreuzungsbereich kam es zum Zusammenstoß mit dem entgegenkommenden Motorrad.
Auf der B2 bei Heroldsberg starb ein 61-Jähriger, der ebenfalls mit einem Motorrad unterwegs gewesen war: Am Montag, 23. Oktober, gegen 13:45 Uhr prallte der Mann mit seiner Maschine auf einen Lastwagen, der gerade nahe Heroldsberg von einem Parkplatz aus auf die B2 aufgefahren war. Der Motorradfahrer überlebte den Unfall nicht.
Der vierte Unfall mit Todesfolge ereignete sich dann am Nachmittag des 27. November, einem Montag, auf der B470 zwischen Gremsdorf und Höchstadt. Dort geriet ein Auto auf die Gegenfahrbahn und krachte frontal in einen Lastwagen. Der 67-jährige Fahrer des Autos starb noch vor Ort an seinen schweren Verletzungen.
Ein Todesfall im Straßenverkehr, zu dem es ebenfalls am Abend des 18. Januar nur fünf Minuten vor dem tödlichen Unfall in Falkendorf gekommen war, erwies sich später als etwas völlig anderes: Auf der Staatsstraße zwischen Wachenroth und Mühlhausen prallten an diesem Mittwochabend gegen 18:45 Uhr zwei Autos frontal aufeinander. Ein 55-jähriger Mann starb noch an der Unfallstelle, zwei weitere Menschen kamen schwer verletzt ins Krankenhaus.
Fünfter Todesfall gilt nicht als Unfall
Bei den Ermittlungen der Kriminalpolizei stellte sich jedoch heraus, dass in diesem Fall ein 18-Jähriger in Suizidabsicht den Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Fahrzeug herbeigeführt hatte. Während der 18-Jährige schwer verletzt überlebte und sich später wegen Totschlags, versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor Gericht verantworten musste, starb der Fahrer des entgegenkommenden Autos noch am Ort des Geschehens.
Der Todesfall zwischen Wachenroth und Mühlhausen ging deswegen nicht in die Unfallstatistik des Jahres 2023 ein, da der Vorfall im Nachhinein nicht mehr als Unfall eingestuft wird.
Auch zu den Hauptursachen der Unfälle des Jahres 2023 gibt es eine polizeiliche Statistik, die Jochen Blum vorstellte. Mit weitem Abstand liegt zu geringer Abstand demnach mit 886 Fällen ganz vorne. Unfälle unter Alkoholeinfluss „gibt es noch“, fallen laut Blum aber kaum statistisch ins Gewicht: Erfasst sind für 2023 nur 40 Stück; das macht gerade einmal 1,4 Prozent des gesamten Unfallgeschehens aus.
Senioren unterdurchschnittlich beteiligt
Senioren ab 65 Jahren waren an 10 Prozent der Unfälle beteiligt. Nachdem diese Altersgruppe laut Daten des Statistischen Bundesamts aber rund 23 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Erlangen-Höchstadt stellt, sind Senioren – entgegen einem gängigen Vorurteil – unterdurchschnittlich am Unfallgeschehen in der Region beteiligt.
In ganz Mittelfranken kam es im Jahr 2023 zu 50.262 Unfällen im Straßenverkehr, wie aus Daten des Polizeipräsidiums Mittelfranken hervorgeht. Dabei wurden 8140 Menschen verletzt und 58 Menschen getötet. Die gefährlichste Tageszeit ist laut mittelfränkischer Statistik die Stunde zwischen 17 und 18 Uhr, in dieser Zeit ereigneten sich 2125 Unfälle. Es folgt die Stunde zwischen 16 und 17 Uhr mit 1889 Unfällen.
Tipps zur Reduzierung des Unfallrisikos im Alltag
Seinen Tiefpunkt erreicht das mittelfränkische Unfallgeschehen zwischen 2 und 4 Uhr nachts. Die Wochentage mit den meisten Unfällen sind der Donnerstag (5145) und der Freitag (5003). Am Wochenende passiert dagegen deutlich weniger; der sicherste Tag ist klar der Sonntag.
Zur Reduzierung des Unfallrisikos hat Polizist Jochen Blum ein paar Alltagstipps parat: Angurten steht dabei an erster Stelle. Auch ein der Größe des Kindes angepasster Kindersitz empfiehlt sich, genau wie eine gute Ladungssicherung. „Ein Hund hat im Fußraum nichts verloren. Der gehört gesichert in eine Hundebox“, sagt Blum außerdem.
Auch lose Gegenstände wie Wasserflaschen auf der Rückbank sind eine Gefahr, denn sie können bei einem Unfall unkontrolliert umherfliegen. Das A und O aus Sicht des Polizisten ist aber Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Dazu verweist Blum auf § 1 der Straßenverkehrsordnung: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“.
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