Der Otto-Versand hat kürzlich mit einer Ankündigung für Aufsehen gesorgt: Um Energie zu sparen, würden einige Büros nur noch auf 15 Grad, manche gar auf nur noch sechs Grad geheizt – was einer Stilllegung von Gebäudeteilen gleichkommt. Der Versandhändler verwies die Mitarbeiter laut Medienberichten auf die Option, Homeoffice machen zu können.
Die steigenden Energiepreise zwingen Unternehmen zum Einsparen. Der FT hat Arbeitgeber in der Region nach ihren Konzepten befragt. Homeoffice ermöglichen alle der angefragten Firmen, allerdings nicht, um Kosten zu sparen. Effizienter mit Strom- und Heizkosten umzugehen – das ist aber bei allen ein zentraler Punkt:
Puma-Zentrale: Kein Gasverbrauch
„Es ist zu früh, zu spekulieren, wie die Situation im Winter sein wird“, sagt Robert-Jan Bartunek, Pressesprecher von Puma. Die Zentrale in Herzogenaurach sei energieeffizient und an das Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen, die diese mit erneuerbaren Energien betreibe. „Es gibt keinen Gasanschluss in unserer Unternehmenszentrale“, sagt Bartunek.
Siemens: Richtlinien im Blick
„Siemens beobachtet die Situation sehr genau und trifft entsprechende Vorbereitungen – das reicht von der Umstellung auf alternative Energieträger, über die Installation von Ersatzlösungen bis hin zu redundanten Heizungssystemen“, sagt Bernhard Lott, Siemens-Pressesprecher. Die Heiztechnik werde „regelmäßig optimiert und effizient eingestellt“. Die Raumtemperatur „bewegt sich hier im Rahmen der gesetzlich zulässigen Regularien und hält die Arbeitsstättenrichtlinien ein“, so Lott.
Landratsamt: 19 Grad ist Vorschrift
Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt folgt der neuen Regel für Behörden, um Energie einzusparen, wie Pressesprecher Johannes Hölzel mitteilt. Die Verordnung begrenzt die Raumtemperatur im öffentlichen Dienst auf 19 Grad. Zudem verbiete sie das Heizen von Gemeinschaftsflächen, schreibt das Abschalten des warmen Leitungswassers vor und regelt die Beleuchtung. Eine Ausweitung von Homeoffice sei im Amt derzeit nicht beabsichtigt. „Um hier einen zusätzlichen spürbaren Einspareffekt erreichen zu können, müsste das Homeoffice soweit ausgeweitet werden, dass dies zu Einschränkungen in der Erreichbarkeit und des gewohnten Bürgerservice führen würde. Zudem würde dies unseres Erachtens vermutlich nur zu einer Verlagerung des Energieverbrauchs auf die Beschäftigten und nicht zu einer Einsparung führen“, so Hölzel.
Sparkasse: 19 Grad, Geldautomaten aus
Auch die Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach dreht die Heizung runter: „Wir haben bereits im Sommer begonnen, die Kühlung beziehungsweise Beheizung der Räume auf den Prüfstand zu stellen und zu optimieren. Bei der Raumtemperatur orientieren wir uns an der Empfehlung von 19 Grad für Büroflächen“, sagt Rene Schmitt, Leiter der Abteilung Recht und Grundsatzfragen der Sparkasse EHH. Die Steuerung der Lüftungsanlagen sowie Zeitprogramme zum Heizen, Kühlen und maschinellen Lüften seien angepasst worden. Boiler und Durchlauferhitzer wurden rückgebaut, die Beleuchtung abgeschaltet oder mit Zeitschaltern versehen. Auch bei den Geldautomaten ist das Energiesparen angekommen: „Bereits seit 23. August wird ein Großteil unserer SB-Geräte automatisch zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ausgeschalten“, sagt Schmitt. Durch alle Maßnahmen erhoffe man sich eine Einsparung von 15 Prozent.
Adidas: überwiegend erneuerbar
„Adidas arbeitet im Rahmen seines Nachhaltigkeitsprogramms bereits seit vielen Jahren daran, den Energieverbrauch an seinen Standorten zu reduzieren, verstärkt erneuerbare Energien zu nutzen und auf fossile Energieträger zu verzichten“, sagt Oliver Brüggen, Adidas-Pressesprecher. Inzwischen seien viele Gebäude energieeffizient ausgelegt. Die Versorgung erfolge überwiegend durch erneuerbare Energien.
Martin Bauer: Wärme aus der Produktion
Der Tee- und Gewürzproduzent Martin Bauer Group in Vestenbergsgreuth kümmere sich schon lange um sichere Energiebeschaffung, sagt Arpad Brezovski, Geschäftsführer im Bereich Produktion Extrakte. Die Steigerung der Energiekosten sei „in einem vorher nicht vorstellbaren Bereich“. „Aktuell beschäftigen wir uns mit Alternativen in der lokalen Energieerzeugung und stellen Produktionsprozesse soweit möglich um“, so Brezovski. Zur Temperatur habe man noch keine feste Vorgabe gemacht. „Wir beheizen unseren Verwaltungsbereich überwiegend energieeffizient mit Abwärme aus der Produktion. Daher liegt dort aktuell der Fokus unserer Einsparungen.“ Man achte nicht erst seit der Krise auf effiziente, nachhaltig-zertifizierte Energienutzung. „Dennoch müssen wir Preissteigerungen teilweise auch an unsere Kunden weitergeben“, bedauert Brezovski. Für Homeoffice führe Martin Bauer zum Jahreswechsel eine neue Regelung ein. Die Festlegungen seien „im Wesentlichen nicht von der Energiethematik bestimmt“ sondern vor allem von der Corona-Entwicklung.
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