Wegzudenken aus dem Landschaftsbild sind sie längst nicht mehr: Photovoltaikanlagen. Auf ehemaligen Äckern, auf den Dächern von Industriehallen und Einfamilienhäusern, an Balkonen und auf Garagen wandeln die Menschen Sonnenlicht direkt in elektrische Energie um. Weltweit. Bundesweit. Frankenweit. Landkreisweit.
Klimaneutral bis 2045 auch mittels erneuerbarer Energien
Das ist wichtig, weil Deutschland bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein will. Schon in fünf Jahren sollen mindestens 80 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen. Für Solarkraft sind die Ziele extrem ambitioniert. Ab 2026 sollen 22 Gigawatt pro Jahr ausgebaut werden. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz der Bundesregierung sollen bis 2030 215 Gigawatt Solarkraft ausgebaut sein. Zum Vergleich: Am Jahresende 2024 betrug die installierte Solar-Gesamtleistung in Deutschland 99,3 Gigawatt.
Wie es vonseiten des Bayerischen Energieministeriums unter der Leitung von Hubert Aiwanger heißt, wolle die Bayerische Staatsregierung bis 2040 „in Abhängigkeit weiterer Rahmenbedingungen einen Photovoltaik-Ausbau von 80 bis 100 Gigawatt“ erreichen. Der Solar-Ausbau funktioniert dezentral. Wie steht es um den Anteil, den die Kommunen und Bürger aus dem Landkreis aktuell leisten?
Erneuerbare Energien: So ist der Stand im Landkreis Forchheim
Wie aus den neuesten verfügbaren Zahlen des Energie-Atlas Bayern (Stand 31. Dezember 2023) ersichtlich wird, beträgt der Anteil erneuerbarer Energien am landkreisweiten Stromverbrauch demnach etwas mehr als 44 Prozent. Für einen ländlich geprägten Flächenlandkreis fällt Forchheim damit wie andere fränkische Kreise wie Erlangen-Höchstadt (45,8 Prozent) und vor allem das Nürnberger Land (16,3 Prozent) hinter den Spitzenreitern ab. Ein Beispiel: Der niederbayerische Kreis Rottal-Inn produziert fast dreimal so viel erneuerbare Energien, als er selbst verbraucht.
Doch, das ist die gute Nachricht, in Forchheim tut sich einiges.
Wasser stagniert, Wind schleicht, Sonne boomt
Während der Ausbau der Windenergie erst langsam voranschreitet, aktuell beispielsweise mit den Planungen Eggolsheims und Ebermannstadts auf der Langen Meile, ist vor allem die Photovoltaik als Treiberin der Energiewende auszumachen. Viel getan hat sich einem bundesweiten Trend gemäß vor allem bei der Solarenergie. Laut den 2023er-Zahlen aus dem Energie-Atlas macht Solarstrom mehr als die Hälfte des im Landkreis erneuerbar erzeugten Stromes aus.
Das Recherchenetzwerk Correctiv.lokal hat nun in Kooperation mit dem Verein Klimadashboard.de die Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur zur Entwicklung von PV-Anlagen für alle Kommunen und Landkreise in ganz Deutschland zusammengetragen. Auf Grundlage dieser Daten hat fraenkischertag.de erstmals umfassend analysiert, in welchen Gemeinden im Landkreis Forchheim es in den vergangenen Jahren zu einem Solarboom gekommen ist.
„Der Landkreis ist auf dem richtigen Weg, was den Ausbau von PV-Strom betrifft“, sagt Dominik Bigge, Klimaschutzmanager am Landratsamt. Tatsächlich hat sich die Zahl der Anlagen kreisweit zwischen 2015 und 2025 mehr als verdreifacht. Die erzeugte Leistung gar fast vervierfacht.
Freiflächen-Photovoltaik macht größten Anteil aus
Heute wird im Kreis insgesamt mehr als 244.000 kWp Sonnenstrom erzeugt (Kilowatt-Peak, eine spezielle Maßeinheit für die Leistung von Photovoltaikanlagen; gibt die maximale elektrische Leistung an, die eine PV-Anlage unter standardisierten Testbedingungen erzeugen kann). Den Hauptanteil daran tragen die (Stand Juni) 43 Freiflächen-Anlagen im Landkreis. Sie erzeugen fast die Hälfte des gesamten Sonnenstroms im Landkreis. 2015 gab es noch elf Anlagen, weitere sind aktuell bereits in Planung.
Die oft großflächigen Anlagen sind nicht gleichmäßig über den Landkreis verteilt. Während es in etlichen Gemeinden (zum Teil aufgrund topografischer Gegebenheiten) gar keine Anlagen gibt, stehen in Ebermannstadt (sechs), Gräfenberg (fünf) und Eggolsheim (fünf) aktuell die meisten Freiflächenanlagen. Mit Abstand am meisten Strom produzieren die Anlagen in Gräfenberg und Ebermannstadt.
Wer die erzeugte Solarleistung jedoch mit der vorhandenen Gemeindefläche in Relation setzt (Leistung in kWp pro Hektar), bekommt ein anderes Bild: Unseren Berechnungen zufolge wird in Poxdorf (38,25) und Langensendelbach (22,91) am meisten pro Hektar produziert, mit großem Abstand folgt Gräfenberg mit 9,01.
In Eggolsheim wird gerade ein weiterer Energiepark sowie der landkreisweite erste Batteriepark geplant. Darüber hinaus wird derzeit die mit 19 Hektar bislang größte Anlage zwischen Hetzles und Honings geplant.
Wichtiges Potenzial im Landkreis Forchheim: PV auf Dächern
Mit neuen Freiflächenanlagen wächst die Leistungskurve stets rasant an. Das hat nicht nur Vorteile, weil so viel Strom wegen des stockenden Netzausbaus sowie fehlender Speicherkapazitäten vor Ort gar nicht aufgenommen werden kann. So wünschen sich Experten wie Klimaschutzmanager Bigge darüber hinaus einen noch stärkeren Ausbau von Dachflächen-Photovoltaik.
Zwar sind auch diese Zahlen in den vergangenen Jahren angestiegen. Waren PV-Module Anfang 2015 noch auf 3411 Dächern montiert, sind sie es diesen Sommer bereits auf 9402. „Wir brauchen die Stromerzeugung bestenfalls dort, wo er auch verbraucht wird“, sagt Bigge. Das heißt, auf Eigenheimen sowie Industriegebäuden.
Weil ein Vergleich der Kommunen nach reiner Anlagenzahl wenig aussagekräftig ist, zeigt eine Berechnung von fraenkischertag.de, in welchem Ort die meiste Leistung pro 100 Einwohner über eine Dach-PV-Anlage erzeugt wird. Das Ergebnis: In der Gemeinde Wiesenttal sind zwar mit 297 deutlich weniger Anlagen verbaut als beispielsweise in Forchheim (1473). Pro 100 Einwohner landet die Kreisstadt mit einem Wert von gut 67 kWp fast ganz unten im Ranking, Wiesenttal dagegen führt die 29 Landkreisgemeinden an (202,35 kWp).
Wie Hausbesitzer noch mehr eigenen Sonnenstrom erzeugen können
Die Zahlen bestätigen die Beobachtung, dass sich etwas tut im Landkreis. So boomen beispielsweise kleinere Anlagen an Balkonen (sogenannte Balkonkraftwerke), die über die Steckdose kleinere Mengen Haushaltsstrom erzeugen. Doch um die ambitionierten Klimaschutzziele umsetzen zu können, braucht es mehr. Die größten, kurzfristig zu ziehenden Hebel für den Landkreis sieht Bigge auf den Dächern. „Wer heute noch ohne Photovoltaik neu baut, macht einen Fehler“, sagt er.
Mit dem neuen Solarkataster hat das Landratsamt ein Tool geschaffen, mit dessen Hilfe Interessierte für Ihre Häuser oder Liegenschaften unter anderem ermitteln können, ob sie für Solarthermie- und Photovoltaikanlagen geeignet sind.
PV-Anlagen: Was Kommunen und Landwirtschaft tun können
Um die Stromerzeugung durch Photovoltaik noch mehr auszubauen, seien laut Klimaschutzmanager Bigge aber auch die Regionalplanungen der Behörden sowie die Landwirtschaft gefragt. Weil die Bauvorhaben für die öffentliche Hand komplex und oft langwierig sind, sind viele Ämter in Sachen Energie- und Klimawende in Verzug. Doch auch hier tut sich allmählich etwas.
Zwei Beispiele: Das Landratsamt arbeitet derzeit daran, seine viele Liegenschaften (in Zukunft einmal) mit Dach-PV auszustatten. Und Landwirtschaft: In diesem Jahr wird am Obstinformationszentrum in Hiltpoltstein eine Agri-PV-Anlage über Süßkirschen errichtet, zwischen Gräfenberg und Sollenberg soll bald Ackerbau unter einer neuen, 15 Hektar großen PV-Freiflächenanlage betrieben werden.
Wegzudenken aus dem Landschaftsbild sind sie längst nicht mehr: Photovoltaikanlagen. Und es wird künftig noch viel mehr geben. Müssen.
Methodik: So ist die Analyse der Solarstrom-Entwicklung im Landkreis Forchheim entstanden
Grundlage der Auswertung von Correctiv.lokal und Klimadashboard.de ist eine Analyse des Marktstammdatenregisters, das von der Bundesnetzagentur gepflegt wird. Dort müssen neu installierte Photovoltaik-Anlagen verpflichtend registriert werden. Neben Freiflächenanlagen und Dachanlagen gibt es im Marktstammdatenregister auch noch weitere Anlagen-Arten. Der Datensatz umfasst Solar-Daten für drei Zeitpunkte: 1. Januar 2015, 1. Januar 2021 und 1. Juni 2025. Alle Daten wurden am 11. Juni 2025 heruntergeladen.
Weil die Daten für Balkonkraftwerke erst seit 2021 über das Marktstammdatenregister gesammelt werden (Experten gehen von vielen nichtregistrierten Anlagen aus), fallen Balkonkraftwerke wie die Kategorien „Gewässer“ und „Großparkplatz“ unter „Sonstiges“.

















