0
Schnelles Urteil erwartet
Sexueller Missbrauch in Kita bei Forchheim: Prozess startet
Am Mittwoch, 23. April, beginnt der Prozess gegen einen Kinderpfleger aus dem Landkreis Forchheim vor dem  Landgericht Bamberg. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch.
Am Mittwoch, 23. April, beginnt der Prozess gegen einen Kinderpfleger aus dem Landkreis Forchheim vor dem Landgericht Bamberg. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch. // VGV/AdobeStock/Sina Schuldt, dpa - Grafik: Maximilian Arnold
Forchheim/Bamberg – Wegen sexuellen Missbrauchs muss sich ab Mittwoch (23. April) ein Kinderpfleger aus dem Landkreis Forchheim vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Was dem 51-Jährigen konkret vorgeworfen wird.

Es ist wieder ruhiger geworden in dem kleinen Kindergarten im Osten der Fränkischen Schweiz. „Es“ sei eigentlich kein Thema mehr, sagt die Einrichtungsleiterin am Telefon. Und doch wird der Begriff „Missbrauch“, wenn auch unsichtbar, wie ein Damoklesschwert von der Decke hängen, seit im September 2024 die mutmaßlichen Taten des 51-jährigen Kinderpflegers der Einrichtung bekannt geworden sind. Nun beginnt am Mittwoch, dem 23. April, der Prozess gegen den Beschuldigten.

Landgericht Bamberg: Kinderpfleger aus Kreis Forchheim angeklagt

Vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Bamberg startet gut sieben Monate nach Bekanntwerden der Taten nun der Prozess, in dem sich der langjährig in der Einrichtung tätige Kinderpfleger S. „wegen drei Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen“ verantworten muss. War anfangs von einer Fünfjährigen die Rede, gehen die Ermittler mittlerweile von zwei Mädchen aus. Konkret wird ihm vorgeworfen, im Jahr 2024 dreimal die ihm anvertrauten Kinder in „unangemessener, sexuell konnotierter Art am Oberkörper berührt“ zu haben.


[Anmerkung der Redaktion: Es ist der Redaktion bekannt, um welche Einrichtung in welchem Ort im Landkreis es sich handelt. Wir haben uns bislang bewusst dagegen entschieden, diese zu veröffentlichen. Vor allem stützen wir uns auf die Prinzipien der Verdachtsberichterstattung. Weil die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils gilt, ist es unsere Aufgabe, die Persönlichkeitsrechte auch eines mutmaßlichen Täters zu wahren. Weil bereits öffentlich bekannt ist, dass es sich um eine katholische Kita handelt, haben wir uns auch gegen Nennung des Ortes entschieden, weil es im Ort nur eine solche gibt. Die Zurückhaltung werden wir bis zum Beginn der öffentlichen Hauptverhandlung am 23. April aufrechterhalten.]


Der 51-Jährige habe gemäß den Angaben des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bamberg den ihm vorgeworfenen Missbrauch gestanden. Für die Verhandlung sind aktuell drei Termine festgesetzt (23. April, 24. April und 28. April). Der Tatverdächtigte ist weiterhin auf freiem Fuß, nachdem der Haftbefehl Ende Oktober 2024 ausgesetzt worden war.

Missbrauchsfall in Landkreiskita: Was bisher geschah

Ein kurzer Abriss darüber, was im Missbrauchsfall in der Forchheimer Landkreiskita bislang geschehen ist.
Ein kurzer Abriss darüber, was im Missbrauchsfall in der Forchheimer Landkreiskita bislang geschehen ist. // Foto: Andreas Wolfger

Hier können Sie die bisherige Berichterstattung noch einmal nachvollziehen: 

Missbrauch in Forchheimer Kita: Verdächtiger räumt Taten ein
Missbrauchsvorwurf in Kita bei Forchheim: Eltern informiert
Missbrauchsverdacht in Kita bei Forchheim: Ein Stimmungsbild
Missbrauch Forchheimer Kita: Anklage vor Landgericht Bamberg
Missbrauch in Kita bei Forchheim: Prozesstermine stehen fest

Angeklagter ist seinen Job in katholischer Kita mittlerweile los

S. arbeitete seit 2021 in der betreffenden Kita unter der Trägerschaft der örtlichen Kirchenstiftung. Sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe sei er jedoch freigestellt worden, wie Harry Luck, Sprecher des Erzbistums Bamberg, auf Anfrage mitteilte. Laut Luck hatte man das Arbeitsverhältnis mit dem Kinderpfleger unabhängig vom Ausgang des Verfahrens Ende des Jahres komplett beendet. Hierüber seien auch die Eltern der betroffenen Einrichtung informiert worden.

Die für den Kindergarten zuständige örtliche Kirchenstiftung will sich nach wie vor nicht zu den Vorfällen äußern, verweist bei Anfragen auf das Erzbistum als Kirchenaufsicht. Sowieso dominiert bis heute Schweigen in der 4500-Seelen-Gemeinde. Lediglich die Kitaleiterin teilt ihre Gedanken. „Wir haben das Thema in den vergangenen Monaten so gut wie möglich aufgearbeitet“, sagt sie. „Auch mit den Kindern.“

Erzbistum Bamberg: Schutzkonzepte in Kitas greifen

Diese gemeinsame Aufarbeitung sei Teil des kitaeigenen Schutzkonzeptes, das spätestens nach diesem Vorfall einen noch schärferen Fokus erhalte, sagt die Leiterin. Generell haben sich die Einrichtungen im Diözesanverband Bamberg seit Jahren der Umsetzung eines „Institutionellen Schutzkonzepts zur Prävention von sexualisierter Gewalt“ verpflichtet. Dieses sieht neben Risikoanalysen, einem Verhaltenskodex sowie besseren Beratungsmöglichkeiten auch Aus- und Weiterbildungen für die Fachkräfte vor.

BKA: 2024 sind fast 18.100 Kinder sexuell missbraucht worden

Wie das Statistik-Portal Statista aus Daten des Bundeskriminalamts ermittelt hat, sind im Jahr 2024 in Deutschland 18.085 Kinder unter 14 Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch (inklusive Tatversuche) geworden. Das sind zwar minimal weniger als im Jahr zuvor, aber dennoch bildet das vergangene Jahr die zweithöchste Zahl seit 2015 ab. Nach wie vor geschehen die Übergriffe hauptsächlich im häuslichen Umfeld, viel seltener in einer Kita oder anderen Institution. Aber: Kinderschutzorganisationen gehen nach wie vor von einem sehr großen Dunkelfeld von nicht angezeigten Fällen aus.

Wie Eltern der Kita sich zu den Vorfällen äußern

Nur einen Tag nach Bekanntwerden der Fälle sind 75 Eltern während eines nicht öffentlichen Elternabends informiert worden, anwesend waren auch Fachkräfte der Präventionsstelle des Erzbistums, der Caritas-Fachberatung und des Sozialdienstes katholischer Frauen SkF. Viele Familien hätten an jenem 26. September „überrascht und schockiert auf die Festnahme“ reagiert, schreibt Harry Luck damals.

Teile der Eltern hatten sich überdies mit einem emotionalen Brief an die Staatsanwaltschaft gewandt und sich für den Kinderpfleger eingesetzt. Wie bereits berichtet, klang damals hinter vorgehaltener Hand durch, dass manche der Eltern die Vorwürfe nicht glauben wollten. Oder dass nach ihrer Meinung gar soziokulturelle Hintergründe der Anklagenden eine mögliche Rolle spielen könnten.

Ob und wie die Briefschreibenden damit umgehen, dass S. die Taten mittlerweile eingeräumt hat, bleibt indes Spekulation. Ebenso ist nicht klar, ob und wie das Thema derzeit in der Elternschaft diskutiert wird. Mehrere Vertreterinnen des Elternbeirats wollen sich unserer Redaktion gegenüber aktuell nicht äußern.

Drei Prozesstage sind für die Verhandlung angesetzt

Sicher wird die aktuell auf drei Prozesstage angesetzte Verhandlung einiges Licht ins Dunkel der Angelegenheit bringen. Wer neben Ermittlern, Sachverständigen sowie der Kitaleiterin als weitere Zeugen auftreten werden, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Immerhin: Nachdem der Angeklagte die Vorwürfe eingeräumt hat, könnten die betroffenen Kinder vor einer Aussage vor Gericht bewahrt bleiben.

In der heimeligen Kindertagesstätte unweit der weltberühmten Sehenswürdigkeit des Ortes herrscht indes Alltag. Die lange Zeit vakante Kinderpflege-Stelle des Angeklagten ist wieder vergeben, die Kinder lachen, weinen, spielen und toben wieder wie zuvor. „Endlich“, sagt die Leiterin. Und hofft, nach dem Ende des Prozesses richtig mit dem Thema abschließen zu können. 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!