Bislang muss man auf dem Weg von Höchstadt nach Forchheim und umgekehrt in Zeckern bei Hemhofen umsteigen und dort mindestens rund eine Viertelstunde Wartezeit einplanen. Oder man wird erst über die Dörfer nach Erlangen gekarrt und erst von dort aus geht es weiter nach Forchheim. Die einfache Fahrzeit beträgt je nach Verbindung zwischen rund einer und mehr als zwei Stunden. Mit dem Auto braucht man für die direkte Strecke dagegen nur 25 Minuten – ohne Wartezeiten bei Wind und Wetter an irgendwelchen Bushaltestellen.
Vehement eingefordert wird eine zeitsparende und komfortable Direktverbindung per Bus schon seit vielen Jahren von Lydia Göbel, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Das Problem: Für die Bestellung der Buslinien sind die Landkreise zuständig und in diesem Fall müssten sich die beiden betroffenen Kreise Forchheim und Erlangen-Höchstadt über die Modalitäten und die Kosten einer solchen Buslinie einigen.
Verwaltung empfiehlt die Ablehnung
Und danach sieht es im Moment nicht aus. Im Gegenteil: Am Dienstag kommt der Mobilitätsausschuss des Landkreises Forchheim zu seiner nächsten Sitzung zusammen und in einer der Redaktion des Fränkischen Tags vorliegenden Sitzungsunterlage empfiehlt die Kreisverwaltung dem Ausschuss die Ablehnung des Vorhabens. Zur Begründung heißt es, dass ein Planungsbüro die Verbindung geprüft und grob durchkalkuliert habe und dafür Kosten von rund 540.000 Euro pro Jahr anfallen würden, die zwischen den beiden Landkreises aufgeteilt werden müssten.
Die Verkehrsplaner im Landratsamt Forchheim kommen dann zu dem Ergebnis, dem zuständigen Ausschuss die Ablehnung zu empfehlen, „da die Expressverbindung für den Landkreis Forchheim kaum einen Mehrwert darstellt und deutlich höhere Kosten entstehen.“
Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt steht das Thema auf der Tagesordnung, hier berät und entscheidet der Kreisausschuss voraussichtlich am Freitag, 19. April, über das Thema. Und auch in der Sitzungsunterlage für den Kreisausschuss von Erlangen-Höchstadt wird die Ablehnung der grenzüberschreitenden Busverbindung empfohlen. In dem Text ist davon die Rede, dass das Fahrgastpotential laut Planungsbüro bei rund 90 Fahrgästen pro Tag liege „mit einem weiteren Potential mit Umstieg auf die neue Linie von ca. 10 Fahrgästen“. Für die Experten offenbar zu wenig.
Schüler und Touristen könnten profitieren
Wenn die beiden Kreisgremien den Direktbus Höchstadt-Forchheim tatsächlich ablehnen sollten, fände Göbel das „deprimierend“, wie sie im Gespräch mit dem Fränkischen Tag sagt. Sie und die Fraktion der Grünen im Kreistag Erlangen-Höchstadt argumentieren für die durchgehende Verbindung entlang der B470, da diese eine wesentliche Fahrzeitverkürzung bringen würde. Aus Höchstadt, Gremsdorf, Adelsdorf und Hemhofen würden knapp 500 Arbeitnehmer nach Forchheim pendeln. „Ebenso pendeln Arbeitnehmer aus dem Landkreis und der Stadt Forchheim nach Hemhofen, Adelsdorf, Gremsdorf und Höchstadt. Schließlich sind auch hier große Firmen ansässig“.
Eine Direktverbindung sei außerdem auch für den Tourismus interessant: „Es werden neue Ausflugsziele sowohl für den Landkreis Erlangen-Höchstadt als auch für den Landkreis Forchheim erschlossen.“ Auch für Schüler aus den Gemeinden im Landkreis Erlangen-Höchstadt, die in Forchheim etwa die FOS besuchen, wäre mit dem Direktbus eine bessere Erreichbarkeit ihrer Schule möglich.
Schützenhilfe bekommen Göbel und die Grünen vom Adelsdorfer Bürgermeister Karsten Fischkal (FW). Aus Fischkals Sicht besteht bei der Anbindung des ÖPNV in angrenzende Landkreise „ein hoher Handlungsbedarf“. Die Gemeinde Adelsdorf sei seit vielen Jahren darum bemüht, eine direkte Busanbindung nach Forchheim zu bekommen. Eine solche sei auch immer wieder Thema im Adelsdorfer Gemeinderat, so Fischkal weiter, und das Ratsgremium stehe zu 100 Prozent hinter dieser Forderung.
Früher gab es sogar eine Zugverbindung
Ein von der Gemeinde Adelsdorf in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten komme zu dem Ergebnis, „dass die Busanbindung nach Forchheim nicht einmal den Mindeststandart erfüllt“, erklärt der Adelsdorfer Bürgermeister. Im Rahmen einer Haushaltsbefragung im Jahr 2022 hätten 365 Adelsdorfer Einwohner angegeben, mit dem Auto nach Forchheim und zurück zu fahren, was in Summe über 700 Autofahrten pro Tag bedeute. Weitere 81 Personen je Richtung wären als Beifahrer im Auto unterwegs und 52 Adelsdorfer würden die Strecke mit dem Fahrrad bewältigen.
Nicht zuletzt verweist Fischkal auf die Tatsache, dass die Gemeinde Adelsdorf bis zur kommunalen Gebietsreform in Bayern Anfang der 1970er-Jahre zu Oberfranken gehörte. Damals gab es noch „eine direkte Eisenbahn-Anbindung von Forchheim über Hemhofen und Adelsdorf nach Höchstadt“. Gemeint ist der östliche Teil der alten Aischtalbahn, der in den 1990er-Jahren stillgelegt und inzwischen in weiten Teilen abgebaut worden ist. Seit zwischen Höchstadt und Forchheim keine Züge, sondern nur noch Busse fahren, gibt es keine Direktverbindung ohne Umsteigen mehr.
Ins gleiche Horn stößt Bürgermeister Ludwig Nagel (CSU) aus Hemhofen im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Auf Nachfrage erklärt er gegenüber dem Fränkischen Tag: „Sicher wäre eine Direktbusverbindung Höchstadt-Forchheim aus Sicht des westlichen Landkreises eine gute Sache“.
Hausener Bürgermeister sieht Vorteile
Das Hauptargument aus Sicht der Kreisverwaltung in Forchheim ist laut Sitzungsunterlage, dass ein Direktbus für den Landkreis Forchheim kaum einen Mehrwert bringen würde. Doch ist das wirklich so? Der Fränkische Tag hat sich auch im Landkreis Forchheim umgehört und dort zeigt sich im Detail ein ganz anderes Bild.
So sieht etwa der Bürgermeister von Hausen im Landkreis Forchheim, Bernd Ruppert (CSU), Vorteile in einer Direktverbindung in den Nachbarlandkreis. Eine solche würde „gerade für unseren Ortsteil Wimmelbach noch eine zusätzliche Alternative schaffen. Hier könnten Autofahrten durch schnelle Verbindungen ersetzt werden. Sei es zum Einkaufen oder auch zu den Arbeitsstellen in Adelsdorf, Gremsdorf oder Höchstadt.“ Andersherum brächte der Direktbus „für unseren Einzelhandel in Hausen (Pilatus Campus) oder auch Forchheim eine Aufwertung“.
So argumentiert auch Petra Dietzel von der Forchheimer Gewerbevereinigung HeimFOrteil: Ein Direktbus könnte Kunden aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt nach Forchheim bringen, so Dietzel: „Wir sehen jeden Kunden, der nach Forchheim kommt, sehr positiv“. In die bisherige Entscheidungsfindung auf Landkreisebene „sind wir bis jetzt gar nicht involviert worden“, erklärt Dietzel weiter. Bislang müssten die Menschen aus dem Raum Höchstadt und Adelsdorf, die nach Forchheim kommen wollen, überwiegend mit dem Auto fahren. Wenn der Direktbus nicht komme, fände Dietzel das „schade für unsere ländliche Region.“
Schüler auch im Winter mit dem Fahrrad unterwegs
„Wir haben Schüler aus dem Bereich Adelsdorf-Hemhofen, die müssen mit dem Bus über Erlangen fahren oder sitzen in Zeckern und warten auf den Anschluss“, beklagt Elisabeth Breunig, Schulleiterin der FOS in Forchheim. Manche ihrer Schüler würden die Strecke auch im Winter mit dem Fahrrad zurücklegen – mangels einer vernünftigen Busverbindung. Die Schulleitung und der Elternbeirat der Schule hätten kürzlich eine ÖPNV-Umfrage durchgeführt, so Breunig weiter. Das Ergebnis: „Das Problem ist nicht die Fränkische Schweiz und auch nicht die Regnitzachse Erlangen-Bamberg, sondern die Anbindung von Forchheim an den Landkreis Erlangen-Höchstadt.“
Dass es bis heute keinen Direktbus von Forchheim in den Nachbarlandkreis gibt, ist aus Sicht der Schulleiterin nicht nachvollziehbar: „Es wäre wirklich toll, diesen Bus einzurichten.“ Dass die Verkehrsplaner bislang „nicht über die Grenzen der Landkreise hinausschauen, finde ich ein bisschen kleinkariert“, meint Breunig außerdem.
Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), dem sowohl der Landkreis Erlangen-Höchstadt als auch der Landkreis Forchheim angehören, befürwortet grundsätzlich Direktbusse über Landkreisgrenzen hinweg: „Direkte und umsteigefreie Verbindungen sind für Fahrgäste selbstverständlich ein attraktives Angebot“, teilt ein VGN-Sprecher auf Anfrage mit. Allerdings würde bei der Frage, ob solche Buslinien betrieben werden können, auch die Verfügbarkeit personeller Ressourcen zunehmend eine Rolle spielen. Denn bundesweit fehlen derzeit allerorten Busfahrer.
Neue Variante kurz vor der Abstimmung
Kurz vor der Abstimmung über das Thema im Landkreis Forchheim bringt Karsten Fischkal aus Adelsdorf noch eine weitere Variante ins Gespräch: In einer E-Mail vom Freitag, 12. April, bittet der Adelsdorfer Bürgermeister den Erlangen-Höchstadter Landrat Alexander Tritthart (CSU) darum, das Gespräch mit seinem Forchheimer Landratskollegen Hermann Ulm (CSU) zu suchen. Dabei könnte eine aus Sicht von Fischkal „einfachere und kostengünstigere Variante“ für die Busverbindung der Landkreise besprochen werden.
Diese beschreibt Fischkal folgendermaßen: Die bestehende Buslinie 206 aus Richtung Forchheim „könnte aus unserer Sicht – relativ einfach – nach Adelsdorf beziehungsweise Höchstadt weitergeführt werden und von dort in einer Art Wendeschleife (zum Beispiel über die Schwedenschanze in Höchstadt oder den Wendehammer in Aisch, Bamberger Straße) wieder zurück nach Forchheim fahren“. Im Ergebnis hätte die Forchheimer Linie 206 „eine höhere Auslastung und die Kosten hielten sich im Rahmen“.
Die Grünen um Lydia Göbel wollen sich derweil nicht entmutigen lassen. Bei einem Pressegespräch an der Landkreisgrenze am Freitagabend übten sie demonstrativ den Schulterschluss mit ihren Forchheimer Parteikollegen rund um den Fraktionsvorsitzenden Matthias Striebich. „Wir können in Europa grenzenlos reisen, da sollte der ÖPNV nicht Landkreisgrenzen scheitern“, heißt es in einer bei diesem Anlass verbreiteten Erklärung beider Grünen-Kreisverbände. Und weiter: „Ein Zukunftsziel wäre eine durchgehende Busverbindung ohne Umstieg von Forchheim nach Neustadt an der Aisch.“
Lesen Sie auch:




















